Zwei Jahrzehnte wurde um IFRS 17 gerungen. Das Regelwerk schreibt nun verbindlich fest, wie Versicherer ihre Verträge in der Bilanz bewerten und fordert ihnen ab, ihre Gewinnmarge auszuweisen. Mit dieser Transparenz ist die Assekuranz weltweit Vorreiter. Der neue Rechnungslegungsstandard setzt sich eine bessere Vergleichbarkeit weltweit aller Versicherungsunternehmen zum Ziel. Um die Feinheiten gab es lange Debatten zwischen den Standardsetzern vom IASB – International Accounting Standard Board – und der Branche. Im Februar verkündete IASB-Vorsitzender Hans Hoogervorst, es seien keine weiteren Gespräche nötig: endlich Konsens! Das heißt nicht, dass IFRS 17 sofort umgesetzt wird. Das Regelwerk gilt zunächst nur für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen zum Stichtag 1. Januar 2021. Jedoch könnte sich der Standard schnell über diese überschaubare Zielgruppe hinaus verbreiten. Denn eine IFRS-17-Bilanz bringt Investoren mehr Transparenz und verschafft damit Versicherern im Wettbewerb um Kapital Vorteile.
Wer diese Vorteile nutzen will – oder muss –, sollte sich schon jetzt auf die neuen Regeln einstellen. „Für die aufwendige Implementierung bleiben lediglich drei Jahre Zeit“, sagt Andreas Schröder, IFRS-17-Experte bei Willis Towers Watson. „Dies bedeutet einen hohen Aufwand in sehr kurzer Zeit.“ Versicherer müssen ihre Organisation und ihre IT-Systeme an die Anforderungen des Standards anpassen.

Es wird aufwendig, IFRS 17 als neuen Standard zu implementieren

Andreas Schröder, IFRS-17-Experte bei Willis Towers Watson

Der Kern von IFRS 17 ist ein vierstufiges Bewertungsmodell, der sogenannte Bausteinansatz. Im ersten Baustein werden die Zahlungsströme ermittelt, also die gezahlten Prämien und die voraussichtlichen Leistungen. Diese in der Zukunft liegenden Zahlungsströme müssen mit dem erwarteten Zinssatz abgezinst (zweiter Baustein) und um eine Risikomarge modifizert werden (dritter Baustein). In die Berechnung dieser Risikomarge gehen beispielsweise Schadenwahrscheinlichkeiten oder auch Veränderungen der Lebenserwartung ein. Abschließend verlangt IFRS 17 eine Schätzung der Profitabilität der Verträge über die noch ausstehende Vertragslaufzeit (vierter Baustein).

Jetzt ist Europa dran

Damit Versicherer mit der Umsetzung von IFRS 17 starten können, muss der Standard von der Europäischen Union akzeptiert werden. Der sogenannte Endorsement-Prozess wird formal von der EU-Kommission ausgelöst, eingebunden sind Rat und EU-Parlament. Mit einem Abschluss des Verfahrens ist allerdings nicht vor 2019 zu rechnen.