Leise ist das Fluggerät nicht, das Maik Neuser per Fernsteuerung in Richtung Strommasten navigiert. Schön anzusehen ist es durchaus. Wie eine große Blume schwebt die orange lackierte, von sechs Rotoren angetriebene und in der Mitte mit einer Kamera bestückte Drohne in die Höhe und inspiziert Strommasten. Seit knapp zwei Jahren sind zwei dieser Hexakopter bei der RWE-Tochter Westnetz im Einsatz. Zusammen haben sie rund 340 Flüge hinter sich, bei denen Schäden der Strommasten analysiert und Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen überprüft wurden. In vier Bundesländern mussten dafür Genehmigungen beantragt werden. Der Nachweis einer ausreichenden Haftpflichtversicherung gehört zwingend zu den Antragsunterlagen. „Außerdem müssen wir jeden Aufstieg vorab bei der Ordnungsbehörde anmelden“, erklärt Westnetz-Mitarbeiter Neuser.

Auch Google und Facebook mischen mit

Die Hersteller dieser Flugroboter sind derzeit wie im Rausch: Sogar die Internet-Giganten Facebook und Google mischen mit. Jüngst erst entschied der Suchmaschinen-Konzern ein Wettbieten um den US-Drohnenhersteller Titan Aerospace für sich und plant künftig, das World Wide Web mithilfe der unbemannten Flieger in die entlegensten Winkel der Erde zu bringen. Der  weltweite Markt werde binnen der nächsten zehn Jahre einen kumulierten Gesamtumsatz von rund 90 Milliarden Dollar erwirtschaften, prognostiziert etwa das auf die Luftfahrtbranche spezialisierte US-Beratungsunternehmen Teal Group. Der jährliche Umsatz soll sich demnach von derzeit 6,6 auf 11,4 Milliarden Dollar bis 2024 fast verdoppeln. Der Trend zur Nutzung der offiziell als unbemannte Luftfahrzeuge bezeichneten Flugobjekte ist weltweit zu beobachten. Ob zur Inspektion von Windkraft- oder Solaranlagen, zur Wartung von Flugzeugen oder im Katastrophenschutz – die Palette der Einsatzgebiete vergrößert sich ständig.

Wir brauchen einen eindeutigeren
Rechtsrahmen, um Sicherheit bieten zu können.
GDV Position

So plant Internetversandhändler Amazon, Pakete per Flugdrohne auszuliefern. Die US-Regierung sucht laut Medienberichten schon nach Antworten auf den absehbaren Schwarm von Drohnen: Die kommerziellen Flugroboter sollen nur während des Tages fliegen dürfen, die maximale Flughöhe dürfe 120 Meter nicht übersteigen. Zudem müsse stets Sichtverbindung zum Fluggerät bestehen, berichtet etwa das „Wall Street Journal“. Und wer eine Drohne kommerziell steuert, zum Beispiel zur Paketauslieferung, müsse künftig einen Pilotenschein besitzen. Das dürfte die Manager des Expressdienstes DHL interessieren. Die Tochter der Deutschen Post führt derzeit einen groß angelegten Test durch. In den kommenden Monaten soll der Paketkopter Medikamente zu einer Apotheke auf der Nordsee-Insel Juist transportieren.

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