Der Geschäftsführer war sich sicher, dass er an alles gedacht hatte. Für seinen damaligen Arbeitgeber, einen mittelständischen Maschinenbauer aus Baden-Württemberg, kaufte er einen polnischen Zulieferer. Er wollte die Wertschöpfungskette verlängern. Doch der Manager schaute nicht genau genug in die Bücher, legte einen unglücklich formulierten Kaufvertrag vor – und plötzlich musste der Mittelständler für aufgelaufene Verluste des Zulieferers geradestehen. Das Unternehmen entließ den Geschäftsführer und verklagte ihn auf Schadensersatz. Firma und Manager hätten sich nun möglicherweise durch ein langwieriges und kostspieliges Gerichtsverfahren quälen müssen. Doch das Unternehmen hatte seine Führungskraft mit einer speziellen Haftpflicht-Police beim Industrieversicherer HDI-Gerling abgesichert. Der vermittelte zwischen den Parteien, zahlte die Anwaltskosten des Managers und kam für eine Vergleichszahlung auf.

Directors & Officers

Solche Policen, die Unternehmen zugunsten ihrer Geschäftsführer, Aufsichtsräte oder leitenden Angestellten abschließen können, heißen in der Fachsprache „Directors and Officers Liability Insurance“ oder kurz D&O-Versicherungen. Firmen schützen damit ihre Führungskräfte vor Schadensersatzforderungen von Kunden, Aktionären oder Behörden – und eigenen Klagen.

Sie werden immer wichtiger, weil geschäftliche Auseinandersetzungen heutzutage meist sofort juristisch ausgefochten werden. Und Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichts- oder Beiräte haften persönlich für ihre Entscheidungen. Darum können sie schnell mal vor Gericht landen, wenn sie Fehler machen, die Geld kosten – von nachlässiger Auftragsvergabe bis zum Versäumen von Fördermöglichkeiten.

Die D&O-Versicherung deckt keine herkömmlichen kaufmännischen Risiken ab, etwa Schäden durch eine geplatzte Fusion oder eine missglückte Produktstrategie. Ebenso wenig schützt sie bei vorsätzlichen Regelverstößen und Gesetzesbrüchen. Sie springt ein bei fahrlässigen Pflichtverletzungen. Dann zahlt die Versicherung dem Manager zunächst einen Anwalt, um Klagen abzuwehren. Wenn das keinen Erfolg hat, kommt sie für den Schaden auf.

Die meisten Fälle werden absolut diskret zur Zufriedenheit aller Beteiligten reguliert.
Patrick Smolka, GDV

D&O-Policen sind also eine Versicherung zugunsten Dritter: Die Prämienzahlt zwar das Unternehmen, geschützt ist aber die Führungskraft. Auf diese Weise sichert die Firma allerdings auch die eigene Bilanz ab. Denn trotz teils üppiger Gehälter könnten viele Manager für drohende Schäden nicht aufkommen. Die Firma bliebe auf den Schadensersatzforderungen sitzen. Stattdessen profitieren meist beide Seiten– dementsprechend schnell verbreiten sich die Policen inzwischen in der gesamten Geschäftswelt.

Meist diskret und außergerichtlich

Immer wieder landen prominente D&O-Fälle in den Medien. Aktuelles Beispiel: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, dessen Versicherung kürzlich für einen Vergleich 3,4 Millionen Euro Schadensersatz an den Insolvenzverwalter des Konzerns zahlte. Der Top-Manager und drei andere ehemalige Vorstände hatten, so ein Gerichtsurteil, beim Verkauf einiger Karstadt-Warenhäuser ihre Sorgfaltspflichten verletzt.

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