GESUNDHEIT

Das Königreich Tonga verteilt sich über 177 Inseln, von denen 36 bewohnt sind. Der Lebensstandard ist höher als der aller anderen Inselgruppen im Südpazifik. Keiner der gut 100.000 Tongaer braucht eine Krankenversicherung, denn die Gesundheitsversorgung ist ebenso kostenlos wie Medikamente. Es gibt 14 Gesundheitszentren und vier Krankenhäuser, was offenbar allzu gut gemeint ist: Durchschnittlich ist nur jedes dritte Bett belegt. Diese Betten müssen ziemlich stabil gebaut sein: Tongaer sind laut der Universität von Washington die dicksten Menschen der Welt: 83,5 Prozent der Männer und 88,3 Prozent der Frauen sind übergewichtig oder sogar adipös. Diverse Studien belegen, dass tongaische Männer im Durchschnitt mehr als doppelt so viele Lebensmittel (und Kalorien) vertilgen wie australische Männer.

REISE

Manchmal schließen Tongaer doch eine Krankenversicherung ab: wenn sie auf Reisen gehen. Dafür gibt es ganz normale Reiseversicherungen, die medizinische Ausgaben ebenso einschließen wie die Absicherung bei Gepäck- oder Dokumentenverlust. Ein häufiger Anlass für Reisen sind Verwandtenbesuche. Die Hälfte der Tongaer lebt nicht mehr auf dem Archipel, sondern in anderen Ländern, die meisten in Australien und Neuseeland. Wer sie besuchen will, kann nicht einfach in den Flieger steigen: In Tonga gaben bereits elf Fluggesellschaften auf. Und das Flugzeug der Real Tonga Airlines, eine chinesische Xi’an MA60, darf aufgrund mangelnder Zertifizierung nicht starten.

HOME AND CONTENTS

Die wichtigste Versicherung in Tonga schützt „Home and Contents“, allerdings weniger vor Einbrechern als vor Wirbelstürmen. Anbieter ANZ listet als größte Bedrohungen auf: Zyklone und Hurrikans, erst dann folgen Feuer und Einbruch. Bei anderen Anbietern wie NPI lässt sich auch Erdbebenschutz in die „Home and Contents“-Versicherung integrieren. Das Zusatzmodul schützt auch bei Vulkanausbrüchen und Tsunamis. Der vulkanreiche Insel-Archipel erlebt alle paar Tage zumindest leichtere Erdstöße. Regelmäßig müssen die Tongaer allerdings auch mit ernsthaften Erdbeben rechnen, die Häuser zum Einsturz bringen. Das vorerst letzte Erdbeben der Stärke 6.0 suchte die Inseln im März heim.

KATASTROPHEN

Im Januar 2014 tobte der Zyklon „Ian“ über den Tonga-Archipel. Die Insel Lifuka wurde verwüstet, ein Mensch getötet. Hunderte Familien wurden obdachlos, die Ernte auf den Feldern wurde zerstört. Die Schäden wurden schnell beglichen, denn Tonga ist einer von sechs Inselstaaten im Südpazifik, die von 2013 bis 2016 am Pilotprojekt Pacific Catastrophe Risk Insurance teilnahmen. Schäden müssen nicht mehr aufwendig individuell nachgewiesen werden. Die Leistungen des Versicherer-Konsortiums richten sich stattdessen nach der Stärke des Zyklons (bei Erdbeben gilt übrigens dieselbe Regelung). Schon zwei Wochen nach „Ian“ erhielten staatliche Stellen 1,27 Millionen Dollar von der Weltbank, um sie an die Opfer des Zyklons zu verteilen.