KrankHEIT

Die Krankenversicherung ist kostenlos – davon sind die meisten Russen überzeugt. Sie selbst zahlen ja nichts, ihr Arbeitgeber überweist 5,1 Prozent des Bruttolohns in die Kasse des Versicherungssystems. Wer nicht arbeitet, bekommt die Versicherung komplett umsonst. Allerdings erinnert der Service in staatlichen Kliniken oft an den sozialistischen Alltag. Wer es sich leisten kann, schließt deshalb eine private Zusatzversicherung ab, die den ungleich besseren Service in den zahlreichen Privatkliniken abdeckt. Die Kosten variieren zwischen etwa 150 Euro im Jahr für eine private Zahnarztversicherung und mehreren Tausend Euro für eine Vollbehandlung in elitären Heilanstalten. Im Schnitt ist eine gute Versorgung für etwa 500 Euro im Jahr zu haben.

AUTO

Kfz-Versicherungen wurden erst vor 15 Jahren zur allgemeinen Pflicht. Die meisten Russen kennen noch die Witze aus den 1990er-Jahren, als die soziale Kluft auch auf den Straßen für ungleiche Verhältnisse sorgte. Meist dreht sich die Anekdote um einen Lada-Besitzer, der seines Lebens nicht mehr froh wurde, nachdem er in den Mercedes eines Neureichen hineingefahren war. Mit der allgemeinen Versicherungspflicht hat sich dieses Problem keineswegs erledigt, denn die maximale Schadensabdeckung beträgt derzeit etwa 8500 Euro. Dafür kostet die Versicherung etwa für einen neuen Passat knapp 150 Euro im Jahr. Weil die Reparatur teurer Neuwagen schnell die gesetzliche Schadenssumme übersteigt, empfiehlt sich eine Vollkasko, die je nach Modell dann allerdings 1000 Euro im Jahr und mehr kostet.

HOCHZEIT

Russland steckt im Hochzeitsfieber. Die Anzahl der Hochzeiten hat sich seit 1997 verdoppelt. Entsprechend ernst nehmen Russen die Hochzeitsvorbereitungen. Selbst in Familien, die nicht zur dünnen Mittelschicht gehören, können die Feierlichkeiten problemlos viele Tausend Euro verschlingen, die meist noch im Voraus zu zahlen sind. Umso ärgerlicher ist es, wenn an diesem wichtigsten Tag etwas schiefgeht: wenn etwa Braut oder Bräutigam krank werden, das Fest wegen eines Unwetters verschoben werden muss oder die Ringe plötzlich abhandenkommen. Gegen solche Risiken können Heiratswillige sich seit einigen Jahren versichern. Der Preis ist mit etwa 150 Euro überschaubar, allerdings bleibt die Schadenssumme von maximal 8500 Euro weit unter den Kosten, die eine russische Hochzeit meist verschlingt.

Meteoriteneinschlag

Den Russen wird ein stoisches Gemüt nachgesagt. Das bewahrheitete sich 2013, als bei der Stadt Tscheljabinsk ein Meteorit einschlug. Videos von Tscheljabinskern, die trotz des Feuerschweifs am Himmel keine Regung zeigen und einfach weiter ihren Geschäften nachgehen, waren der Hit auf Videoportalen wie YouTube. Die Schäden blieben übersichtlich, meist handelte es sich um geborstene Fensterscheiben aufgrund der Druckwelle. Versichert seien die Fenster nicht, argumentierten die Versicherer, bei abstürzenden Meteoriten handele es sich um höhere Gewalt. Und die sei nicht mitversichert. Das stimmt seit Tscheljabinsk nicht mehr: Einige Anbieter, etwa Sogaz, haben ihre Immobilienversicherung um die Option Meteoriteneinschlag ergänzt.