SEGUROS? NO, GRACIAS.

Der kubanische Sozialismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, für alle Eventualitäten vorzusorgen. Daher würde jedes Versicherungsangebot, das über das staatliche Sicherungsnetz hinausweist, im Prinzip auf eine Lücke des Systems hinweisen und wäre gewissermaßen eine Art Systemkritik. Die Logik dahinter: Je weniger Versicherungen nötig sind, desto besser läuft scheinbar das System. Daher versichern Kubaner nichts und niemanden, wenn sie nicht müssen, nicht einmal das eigene Auto. Dafür müssen sie zwar jährlich die Zulassung erneuern – und dafür auch bezahlen –, aber eine Haftpflichtversicherung ist keineswegs obligatorisch. Solch ein Schutz ist nicht einmal für Mietwagen verpflichtend.

REISEVERSICHERUNG

Seit Mai 2010 müssen Kubaner vor einer Reise ins Ausland eine Reiseversicherung abschließen. Dasselbe gilt für alle Touristen, die die Insel besuchen. Diese Versicherung kann sowohl über die kubanische Asistur als auch über ausländische Versicherer abgeschlossen werden. Das hat dazu geführt, dass Assekuranzen aus Ländern, in denen viele Exil-Kubaner leben, spezielle Abkommen mit dem kubanischen Staat vereinbaren, um auf der Insel Versicherungsschutz anbieten zu können. Dabei richten sich die Strukturen und Normen der Joint Ventures nach kubanischen Regeln. Besonders erfolgreich ist der spanische Dienstleistungskonzern Mapfre. Seine Reiseversicherung deckt Unfälle, Gepäckverlust und Krankheiten ab und enthält auch eine Haftpflichtversicherung.

STAATSVERSICHERUNG

Kubaner kennen eigentlich nur ein Versicherungsunternehmen – den Staat. Er übernimmt beispielsweise die Kranken- oder Ausbildungsversicherung, und das fast kostenlos. Auch das Rentensystem läuft komplett über den kubanischen Staat. Die beiden staatlichen Versicherer sind dem Finanzministerium untergeordnet. Esicuba, gegründet 1963, richtet sich insbesondere an Geschäftskunden, am häufigsten werden laut Geschäftsbericht Lastentransportversicherungen nachgefragt, recht häufig auch die obligatorischen Reiseversicherungen. Esicuba „operiert in allen Versicherungsbereichen, mit Ausnahme von Leben, Kfz und Landwirtschaft“. Darum kümmert sich Esen, gegründet 1978. Bei Esen können Kubaner sich auch gegen dauerhafte oder temporäre Invalidität versichern.

KURIERDIENSTE

Die auf der Insel zurückgebliebene Familie mit Geld, Dokumenten und diversen anderen Dingen zu versorgen, ist für die meisten ausgewanderten Kubaner eine Selbstverständlichkeit. Diese Marktchance haben verschiedene international operierende Kurierdienste erkannt. Den Absendern ist dabei vor allem wichtig, wie verlässlich die Lieferung ankommt – das wiederum ist abhängig davon, wie gut das Unternehmen mit dem kubanischen Staat harmoniert. Gegen den Verlust der Sendung können sich die Absender versichern. Einer der Kuriere, der eine Vertrauensbasis aufgebaut hat, ist übrigens die Deutsche-Post-Tochter DHL.