UM DEN GLOBUS

Alles für die Katz

Japan hat den größten Versicherungsmarkt Asiens. Während die Branche in anderen Ländern der Region noch in den Kinderschuhen steckt, sind Japans Versicherer auf Augenhöhe mit den Größen Europas und Amerikas. Darüber hinaus sind sie globale Pioniere – für die Ära der alternden Gesellschaft.

Lebens­versicherung

Japans Lebensversicherungsmarkt ist der größte Asiens – und er zeigt, was in Zeiten von Finanzkrisen und niedriger Zinsen auf Assekuranzen anderer Länder zukommt. In Japan platzte schon vor rund 25 Jahren eine doppelte Aktien- und Immobilienblase. Um die Banken zu retten, senkte die Notenbank die Zinsen. Ende der 90er-Jahre erreichten sie null Prozent und blieben dort bis heute. Damit lag der Garantiezins der Lebensversicherer über den Erträgen ihrer Kapitalanlagen. Schwächere Institute mussten als Folge der Niedrigzinspolitik ihr Geschäft einstellen. Der Rest brauchte rund 20 Jahre, um die Krise zu meistern. Mittlerweile ist die finanzielle Basis der Branche aber solide genug, dass Größen wie Nippon Life sogar im Ausland expandieren. Aus gutem Grund: In Japan schrumpft die Bevölkerung und damit der Markt.

Auto­versicherung

Autoversicherungen machen rund 50 Prozent der Einnahmen von Japans Schadens- und Unfallversicherern aus. Doch die einstige Gewinnquelle erwirtschaftet seit Jahren Verluste. Denn die Zahl der Autos und die Schadenssumme steigt, während die Gebühren stagnieren: Das wachsende Heer älterer Autofahrer zahlt generell niedrigere Prämien, während es immer weniger junge Fahrer mit hohen Beiträgen gibt. Zudem entscheiden sich immer mehr Fahrer für Kleinwagen. Online-Versicherer nehmen den alteingesessenen Versicherern zusätzlich Kunden ab. Als Ausweg aus dem Dilemma müssen die Assekuranzen ihre Prämien erhöhen.

Erdbeben­versicherung

In keinem anderen Land drohen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis so hohe Schäden zu verursachen wie in Japan. Doch eine Erdbebenversicherung gibt es erst seit 1966. Denn Erdbebenschäden sind extrem schwer zu kalkulieren. Ein Mega-Beben könnte die Versicherer ruinieren, weshalb die maximale Leistung begrenzt ist. Das amtliche Worst-Case-Szenario für das – irgendwann – zu erwartende Nankai-Erdbeben vor der Küste der Industriemetropolen Osaka und Nagoya beziffert die maximalen Schäden auf 1600 Milliarden Euro, 40 Prozent von Japans jährlicher Wirtschaftsleistung. Seit dem Beben 2011, das die Fukushima-Katastrophe auslöste, steigen die Neuabschlüsse für Erdbebenversicherungen rasant an.

Haustier­versicherung

Mit mehr als 800.000 Verträgen ist Japan nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Markt für Haustierversicherungen. Die Beiträge schwanken je nach Tier und Alter. Doch für rund 25 Euro Beitrag im Monat kaufen zumeist Halter von Hunden oder Katzen in der Regel 90 Euro Schadensersatz pro Krankenhaustag oder bis zu 45 Euro für den Tierarztbesuch. Die Unfallversicherung eines Anbieters ersetzt sogar Beerdigungskosten von bis zu 730 Euro, falls das Haustier durch einen Unfall gestorben ist.