Für den Duden ist die Sache einfach: Vertrauen ist dort als „festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit einer Sache“ definiert. Schwierig, wenn man mit gut 200 Sachen auf eine Kurve zurast – und auf dem Fahrersitz niemand sitzt. Der Computer hat heute das Steuer des Audi RS 7 übernommen und chauffiert mich im Renntempo über die Motorsport-Arena in Oschersleben.

Vertrauen also. Gar nicht so leicht, wenn dir die Techniker erst einen Helm aufsetzen („nur zur Sicherheit“) und dich dann im Beifahrersitz derart festschnallen, dass du kaum noch Luft bekommst („sicher ist sicher“). Fehlt selbst denen etwa das Vertrauen in die neue Technik? Nein, aber auch Kollege Computer ist nicht immer unfehlbar, selbst wenn der Maschine in puncto Sicherheit von den Entwicklern gern mehr zugetraut wird als uns. Sie wollen den Menschen künftig aus dem Verkehr ziehen. Er ist ihnen suspekt, weil er unberechenbar ist. Doch heute nimmt vorsichtshalber hinter mir noch ein Audi-Ingenieur Platz, der den Computer im Auge behält, einen „Not-Aus“-Knopf in der Hand. Sollte mir nicht viel mehr das suspekt sein?

Wie ein routinierter Rennfahrer

Also los. Und das heißt in dem Fall auch: loslassen. Der Fahrersitz: frei. Der Motor startet selbstständig, ohne dass jemand den Schlüssel umdrehen muss. Laut brüllt der Achtzylinder auf, das Automatikgetriebe schaltet wie von Zauberhand in Gang D – und mir läuft unter dem Helm der Schweiß. Hoffentlich wissen die bei Audi, was sie tun. Mit Vollgas geht es Richtung erste Kurve. Im Magen beginnt es zu flattern. Ich drücke mein Bein durch, will bremsen – der Computer bleibt aber stoisch auf dem Gas. Blitzschnell sehe ich mir die Auslaufzonen an, berechne, wo wir wohl reinbrettern, sollte der Audi nicht bald reagieren. Und er, er fährt weiter – weil bremsen überflüssig gewesen wäre. Wie ein Rennfahrer steigt der RS 7 erst auf der letzten Rille in die Eisen, zirkelt auf der Ideallinie um die erste Kurve. Um dann wieder Vollgas zu geben, zu bremsen, zu driften. Alles in Ordnung. So ab Kurve drei beginne ich langsam, Vertrauen zu fassen. Kollege Computer fährt richtig gut. In Oschersleben schafft der Audi eine Rundenzeit von knapp unter zwei Minuten – ein routinierter Rennfahrer könnte das nicht besser.

 

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