Terroristen bevorzugen Menschenmassen als Ziel, Herr Harbrücker. Ließe sich beispielsweise das Oktoberfest versichern?Extremus versichert ausschließlich Sachschäden und sich daran anschließende Betriebsunterbrechungen. In der Personenversicherung sind die Versicherungssummen deutlich niedriger, und Extremus wurde gegründet, um gerade für Großrisiken Deckungsschutz zu gewähren.

Was passiert, wenn die Polizei aufgrund einer Bombendrohung alles räumt, anderthalb Tage sucht und nichts findet – ist der damit verbundene Verdienstausfall versichert?Wenn wirklich etwas passiert, sind Sachschaden und Verdienstausfall durch die Betriebsunterbrechung versichert. Kommt es nach einer Drohung zur Absage einer Veranstaltung, etwa bei dem Oktoberfest oder einem Open-Air-Festival, ließe sich dies durch eine Ausfallversicherung abdecken. Wir arbeiten gerade daran, Veranstaltungsausfall über eine zweite Säule ab 2017 anzubieten.

Welche Art von Unternehmen schließen eine Terrorversicherung ab? Grundsätzlich alle, aber Extremus versichert vor allem Immobilien: also Werke von Unternehmen, alle Flughäfen und große Bahnhöfe. Auch Fußballstadien, Krankenhäuser und Hotels sind über uns versichert. Als Extremus nach den Ereignissen vom 11. September 2001 mit politischer Unterstützung vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gegründet wurde, war die Idee, vor allem die Industrie vor den Folgen von Terroranschlägen zu schützen.

Gibt es unterschiedliche Versicherungsarten, je nach Bedrohungsszenario?Nein, das ist ein All-inclusive-Paket. Eine Wahl haben die Unternehmen allerdings: Sie können sich entweder nur gegen Sachschäden versichern oder auch zusätzlich die darauf folgende Betriebsunterbrechung. Aber ob ein Flugzeug gezielt in ein Hochhaus gelenkt wird oder eine Bombe hochgeht – es ist alles gedeckt. Einzige Ausnahme sind Angriffe mit ABC-Waffen, die daraus resultierenden Schäden würden unsere Gesamtkapazität von 10 Milliarden Euro übersteigen.

Ist das der einzige Grund, warum ABC-Angriffe ausgenommen sind?Wir halten solche Angriffe für sehr unwahrscheinlich. Solche Waffen herzustellen – wenn man überhaupt an das Material herankommt – ist hochkomplex. Und selbst Terroristen haben kein Interesse, sich etwa mit radioaktivem Material zu kontaminieren.

Was kostet eine Terrorversicherung?Mindestens 3.000 Euro im Jahr für ein Objekt mit einem Wert von 25 Millionen Euro; die Prämien reichen bis zu 2 Millionen Euro, abhängig von der Versicherungssumme, der Lage und eventuellen individuellen Risikofaktoren.

Steigt die Nachfrage?Die Nachfrage hat in den beiden letzten Monaten deutlich angezogen. Oft sind es Anfragen von Maklern, die ihre Kunden umfassend beraten wollen. Wir haben derzeit 1270 Kunden, dahinter verbergen sich 7600 Risikostandorte. Um dies zu veranschaulichen: In Berlin haben wir 470 Risikostandorte mit einer Versicherungssumme von 33 Milliarden Euro und in Frankfurt 355 Risiken mit einer Summe von 30 Milliarden Euro versichert.

Was ist die höchste Summe, die Extremus jemals hat auszahlen müssen?Bislang hatten wir noch keinen Schaden – das darf gern so bleiben. Man sagt zwar, Schäden erhöhen die Nachfrage, aber darauf verzichten wir gerne.