Wichtig auch: gesunder Menschenverstand, ein guter Draht zu den Nachbarn und das Beherzigen von ein paar Grundlagen (INFOKASTEN). Ob dann noch eine Alarmanlage hermüsse, hänge auch vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab, sagt Schmidt. Er rät jedenfalls davon ab, sich allein auf Smart-Home-Systeme zu verlassen: „Sie können allenfalls eine Ergänzung sein.“ Sie sind sinnvoll, wenn sich etwa per Überwachungskamera feststellen lässt, dass der angebliche Einbruch ein Fehlalarm ist. Jedoch können solche Geräte selbst ein Sicherheitsrisiko darstellen, wenn sie nicht richtig installiert und bedient werden. GDV-Experte Hauner verweist auf den Fall eines Lebensmitteldiscounters, der eine Web-Überwachungskamera im Angebot hatte. „Ab Werk war die komplett ungeschützt, da konnte Ihnen jeder übers Internet in die Wohnung gucken.“
Auch wegen solcher Vorkommnisse sieht Hauner den Markt noch ganz am Anfang: „Wir brauchen Produkte, die narrensicher sind, die auf Standards beruhen und bei denen ich sicher sein kann, dass der Hersteller sie dauerhaft unterstützt und für Sicherheits-Updates sorgt. Sonst handeln wir uns aus Technikverliebtheit Probleme ein, die wir vorher nicht hatten.“
Diese Sorge teilen inzwischen auch viele Autobesitzer, vor allem jene, die sich zu ihrem Wagen die neue Funkschlüsseltechnik Keyless Entry bestellt haben. Diese Schlüssel muss der Fahrer gar nicht mehr aus der Tasche nehmen, um seinen Wagen zu öffnen. Sie senden ständig ein Funksignal aus; das Auto reagiert, sobald es im Empfangsbereich ist.

FÜR DAS SMART HOME BRAUCHT ES PRODUKTE, DIE NARRENSICHER SIND. SONST HANDELN WIR UNS PROBLEME EIN, DIE WIR VORHER NICHT HATTEN.

OLIVER HAUNER, GDV

Diesen Komfort erkaufen sich die Kunden mit einer gefährlichen Sicherheitslücke: Ohne großen Aufwand können Autodiebe das Funksignal des Schlüssels auffangen und damit das Auto öffnen, wenn der Besitzer gerade nicht in der Nähe ist. In einem ADAC-Test konnten alle getesteten Fahrzeuge so in Sekundenschnelle geknackt werden. Für den Diebstahl sind zwei Personen nötig. Einer stellt sich mit einem als Aktenkoffer getarnten Funksignalverstärker in die Nähe des Schlüssels – im Café, auf dem Supermarktparkplatz oder vor dem Haus des Autobesitzers. Liegt der Schlüssel nahe der Haustür oder bei einem Fenster, reicht das Signal oft bis nach draußen. Der zweite Dieb steht mit einem Empfangsgerät neben dem Auto, fängt das Funksignal auf und leitet es weiter – Tür auf, Zündung an, Auto weg.

Wenn Diebe dazwischenfunken

Von „unhaltbaren Zuständen“ spricht der ADAC und fordert die Hersteller dringend zur Nachbesserung auf. Denn einen sicheren Schutz gibt es noch nicht. Bei einigen neueren Daimler-Modellen lässt sich zwar das Funksignal am Schlüssel abschalten. Ansonsten bleibt aber nur die Empfehlung: Schlüssel möglichst im Inneren der Wohnung aufbewahren – oder in mehrere Lagen Alufolie einwickeln. Auch eine dicht schließende Blechdose kann das Signal abschirmen, die Wirkung sollte man aber erst am Fahrzeug testen. Vom verbreiteten Tipp, den Schlüssel im Kühlschrank zu verwahren, raten manche Hersteller ab: Das könne zu Schäden am Schlüssel führen. Das deutsche Unternehmen Bundpol bietet außerdem ein Sicherungssystem namens Secukey an, das im Auto verbaut wird und das Keyless- System um eine zusätzliche, nicht knackbare Sicherheitsstufe ergänzen soll. Auch wer einen ganz normalen Funkschlüssel benutzt, bei dem man noch auf einen Knopf drücken muss, sollte beim Abschließen vorsichtig sein und noch einmal überprüfen, ob die Tür wirklich verriegelt ist: Mit einem Störsender können Autodiebe die Übertragung zwischen Schlüssel und Auto stören und dann einfach einsteigen, wenn der Fahrer weggegangen ist.

Zwar haben schon alle neu zugelassenen Fahrzeuge eine elektronische Wegfahrsperre, doch die können professionell arbeitende Autodiebe in kurzer Zeit ausschalten. Ihr Einfallstor: die ODB- Buchse, an die in der Werkstatt der Diagnose-Computer angeschlossen wird. Über diese Schnittstelle programmieren Autodiebe schnell einen neuen Autoschlüssel. Sichern kann man die ODB-Buchse mit Blockierschlössern wie dem ODB-Saver, den es für verschiedene Automarken gibt.
Es ist ein ständiges technisches Wettrüsten zwischen Autodieben und Herstellern von Sicherheitstechnik. Unverändert gilt aber die Grundregel: Alles, was den Dieb wertvolle Minuten kostet, erhöht die Sicherheit, weil der im Zweifelsfall lieber auf ein anderes Auto ausweicht. Deswegen haben mechanische Sicherheitstechniken immer noch ihren Wert, zum Beispiel Parkkrallen oder Lenkradsperren – selbst wenn die darin verbauten Schlösser nicht immer den besten Ruf haben. Eine weitere Schikane sind Spezialkappen für die Reifenventile, die beim Diebstahl schnell die Luft entweichen lassen.
Reicht das? Wie beim Einbruchschutz lautet die Antwort: Kommt darauf an. „Auch hier empfehlen wir eine individuelle Beratung in einer polizeilichen Beratungsstelle“, sagt Harald Schmidt. „Abhängig von Fahrzeugtyp und -wert, der Diebstahlswahrscheinlichkeit in der jeweiligen Region und den Abstellmöglichkeiten kann es lohnenswert sein, weitere Systeme einzubauen.“

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