Heidrun B. saß vor dem Fernseher, als es passierte. Und sie bemerkte nichts. Es war stürmisch an diesem Abend in Hamburg-Blankenese, doch das hinderte die Einbrecher nicht daran, in den dritten Stock des Mehrfamilienhauses einzusteigen – und dass obwohl die 67-Jährige zu Hause war. Sie kletterten durch das Schlafzimmerfenster, schlossen die Zimmertür von innen ab und durchwühlten ungestört die Schränke. Erst als die Seniorin ins Bett gehen wollte, sah sie, was geschehen war.
Alle fünf Minuten wird in Deutschland ein Einbruch verübt – und die Täter werden immer dreister. Für 2017 meldet die aktuelle Kriminalstatistik 116.450 Taten, gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 23 Prozent. Auch die Zahl der Versicherungsfälle sank im selben Zeitraum um etwa 20 Prozent auf rund 120.000 Fälle. Doch die positive Bilanz ist trügerisch.

Seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Einbrüche in Deutschland auf einem beispiellos hohen Niveau. Von 2007 bis 2015 kletterte die Schadenssumme auf mehr als eine halbe Milliarde Euro, die aktuell rückläufigen Zahlen machen nur einen Teil dieses Anstiegs wieder wett. „Die vermeintliche Trendwende beim Thema Einbruch ist eine Illusion“, sagt deshalb GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Er warnt: „Damit wir nicht wieder einen Anstieg wie vor zehn Jahren sehen, sind weiterhin alle Anstrengungen notwendig. Das Niveau der Einbruchzahlen bleibt hoch.“

Nach fünf Minuten gibt der Dieb auf

Das spiegelt sich auch beim durchschnittlichen Schaden pro Einbruch. Die meisten Familien haben heute diverse elektronische Geräte zu Hause, nicht wie früher nur einen Fernseher und eine Stereoanlage. Zudem ist die Aufklärungsquote nach wie vor gering: In lediglich einem von fünf Fällen werden der oder die Täter geschnappt.
Und nicht nur die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass fast jedes fünfte Einbruchsopfer zumindest vorübergehend unter Schlafstörungen leidet, jedes zweite fühlt sich unsicher in seiner gewohnten Umgebung.

So hilft der Staat beim Einbruchschutz: Die Förderbank KfW unterstützt Sicherungsmaßnahmen wie den Einbau von Alarmanlagen oder einbruchssicheren Fenstern finanziell. Für Investitionen bis zu 1000 Euro erhalten Hauseigentümer und Mieter einen Zuschuss von 20 Prozent; Kosten, die darüber hinausgehen, werden mit 10 Prozent bezuschusst. Die maximale Förderung beträgt 1600 Euro. Illustration: Martin Burgdorff

Dass die absoluten Zahlen seit zwei Jahren rückläufig sind, liegt an einer gestiegenen Sensibilität für das Risiko – und an verbesserter Sicherheitstechnik. Denn wer seine Türen und Fenster fachkundig sichert, verringert das Risiko erheblich. Statistiken zeigen: Schafft es ein Dieb nicht binnen drei bis fünf Minuten einzudringen, gibt er auf. Mehr als jeder dritte Einbruchsversuch scheitert auf diese Weise.

Auch die Banden rüsten auf

Dennoch sorgen längst nicht alle Hausbesitzer und Mieter ausreichend vor, das eigene Risiko wird oft unterschätzt. Schlecht gesicherte Türen, offen stehende Fenster und Schlösser, die mit einer Scheckkarte aufzuhebeln sind, sind noch immer verbreitet. „Um spürbar an Sicherheit zu gewinnen“, sagt Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung beim GDV, „muss man in eine fachkundige Sicherung der Wohnung investieren.“
Er plädiert dafür, moderne Sicherheitsstandards für Neubauten gesetzlich vorzuschreiben. „Es heißt immer, das Bauen dürfe nicht teurer werden“ ,kritisiert der GDV­-Experte. „Die Leute sind aber bereit zu investieren, wenn sie dadurch besser schlafen.“

Das zeigt auch die gestiegene Nachfrage nach Mitteln der staatlichen Förderbank KfW. Sie bezuschusst Investitionen in mehr Sicherheit von bis zu 15.000 Euro pro Wohneinheit. Allein 2017 gab es mehr als 120.000 Förderzusagen. Einen absoluten Schutz garantiert natürlich selbst das nicht – zumal die Täter oft Profis sind, die organisierten Banden angehören und gut ausgerüstet sind. So umgingen Einbrecher im Januar in einer Hamburger Villa alle Sicherheitsvorkehrungen, indem sie im Garten ein Erdloch aushoben, einen Tunnel gruben und von dort die Rückseite eines in der Kellerwand verbauten Safes aufflexten. Anschließend räumten sie ihn leer.
Die organisierten Banden passen sich den Sicherheitsentwicklungen an: Allein in Hamburg stiegen 2017 mehr als 30 Täter über das Dach ein. Sie trugen Ziegel ab, sägten Balken und Isolierung durch und zwängten sich hinein. Aufwendig? Durchaus. Aber auf diesem Weg schlägt meist kein Alarm an.