Jetzt geht’s vorwärts, mit Tempo: Im Juni soll der Deutsche Bundestag das „Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Januar 2016 über Versicherungsvertrieb (IDD)“, wie es im besten Bürokraten- deutsch heißt, verabschieden. Am 7. Juli wird sich, so steht es zumindest auf dem Plan, der Bundesrat abschließend mit dem Gesetz befassen. Dann wird endlich weitgehend Klarheit in der Frage herrschen: Wer darf was – und wie – im Versicherungsvertrieb?
Kurz vor den finalen Entscheidungen im Bund lässt sich vor allem eines schon positiv für die gesamte Branche feststellen: „Das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung bleibt erhalten“, resümiert Gerhard Müller, Vorsitzender des Vertriebsausschusses des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Müller, der hauptberuflich die Sparkassen-Versicherung Sachsen führt, sieht dafür gute Argumente: Der in Deutschland dominierende provisionsbasierte Vertrieb habe sich schließlich bewährt. „Er garantiert ein flächendeckendes Beratungsangebot für alle – und zwar unabhängig vom Geldbeutel.“

Bedrohtes Nebeneinander

Dieses Nebeneinander wirkte zwischenzeitlich durchaus bedroht. In ersten Entwürfen der EU-Richtlinie, aber auch in manchen Wortmeldungen in der Berliner Politik schimmerte die Erwartung durch, dass einzig nur vom Kunden zu entlohnende Versicherungsberater wirklich das beste Produkt für den Verbraucher auswählen würden. Ein voreiliger Schluss, müssen Makler und Vermittler schließlich längst dokumentieren, wie und in welchem Umfang sie Kunden beraten – und das angesichts der hohen Kosten von fundierter Beratung, die schnell 100 Euro je Stunde betragen können. Das aber, darauf weisen Versicherer, Vertreter und Makler unisono hin, könnten und wollten sich nun mal die wenigsten Kunden leisten.
Die Botschaft wurde gehört. Wenn auch nicht so ganz: Noch immer verstecken sich in dem nun vorliegenden Gesetzentwurf Fußangeln, die es dem Kunden schwerer machen können. So versucht zwar die Große Koalition, ein sauber getrenntes Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung zu garantieren. Im Detail erweist sich das aber mitunter als nicht sonderlich verbraucherfreundlich. So sollen künftig Honorarberater zwar erstmals provisionsfreie Versicherungsverträge, die Netto-Policen, nicht nur empfehlen, sondern auch vermitteln dürfen, Vertretern und Maklern soll das aber untersagt bleiben. Sie dürfen sich bislang ausnahmslos nur vom Versicherer vergüten lassen. Damit aber, moniert Müller, hätten Makler und Vermittler „überhaupt keinen Anreiz, provisions- freie Produkte anzubieten“.
Auch beim Versuch, gleiche Bedingungen für alle durchzusetzen, schießt die Politik bisweilen übers Ziel hinaus. Bisher können Kunden bequem per Internet Policen abschließen. Jetzt aber möchte der Gesetzgeber dafür, wie bei einem persönlichen Vermittlergespräch, eine Beratungspflicht einführen. Und die Dokumentation dazu. „Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass Verbraucher, die im Internet eine Versicherung abschließen, gerade nicht beraten werden wollen“, sagt Müller. „Den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung wird der Gesetzentwurf weiterhin nur teilweise gerecht“, sagt auch der Vorsitzende der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth. „Anstatt neue Hürden aufzubauen, sollten die bestehenden bewährten Regelungen für den Internet- beziehungs- weise Fernabsatz beibehalten und auf Vermittler ausgedehnt werden.“

Warten auf die Delegierten Rechtsakte

Unsicherheit herrscht auch noch darüber, wie Brüssel die Details zur Vermittler-Richtlinie festlegen wird. Die EU-Kommission beschließt zu diesem Zweck sogenannte Delegierte Rechtsakte. Zur Vorbereitung hatte die Europäische Versicherungsaufsicht Eiopa Mitte 2016 in Brüssel erste Vorschläge gemacht, die nach Ansicht des GDV auf ein faktisches Provisionsverbot hinausliefen. Nach scharfer Kritik haben die Frankfurter Aufseher nun „einen vernünftigeren Ansatz“, sagt GDV-Vertriebsausschuss-Chef Müller. „Ausschlaggebend ist aber letztlich, was die EU-Kommission aufs Papier bringt. Das sehen wir wohl nicht vor Mai.“
Auch in Berlin muss noch an anderer Stelle nachjustiert werden. Die IDD- Richtlinie sieht eine Pflicht zur Weiterbildung der Vermittler vor. Die Details dazu muss das Bundeswirtschaftsministerium aber noch in eine Verordnung gießen.