Woher kommt das Geld? Norwegen verdiente lange gut mit Öl und Gas, das vor Stavanger und Bergen unter der Nordsee liegt und vom Staatskonzern Statoil gefördert und exportiert wird. Statoil-Dividenden, Lizenz- und Steuereinnahmen finanzieren den Ölfonds. Beim Start 1996 wurden knapp zwei Milliarden Kronen in den Fonds eingezahlt, pro Norweger umgerechnet nur ein paar Euro. Bis heute sind daraus mehr als sieben Billionen Kronen geworden. Pro Einwohner hat das Land rund 150.000 Euro auf der hohen Kante. Deutschland kommt pro Kopf auf fast 25.000 Euro Schulden. „Den Fonds zu etablieren war eine der weisesten Entscheidungen norwegischer Politik“, sagt der Osloer Wirtschaftsprofessor Erling Steigum. Dem Ölfonds gehören 1,3 Prozent des weltweit an den Börsen gehandelten Aktienkapitals, darunter Anteile an Apple, Nestlé und BMW, zudem Immobilien etwa in Paris, London, Berlin.

Den Ölfonds zu etablieren war eine weise Entscheidung.

Erling Steigum, Professor für Wirtschaft

„Wir schützen den Wohlstand für künftige Generationen“, verspricht die nbim-Website, die auch den aktuellen Marktwert des Ölfonds anzeigt. Doch auch wenn sich das Geldsammelbecken „globaler Pensionsfonds“ nennt, wird das Geld nicht nur für Renten verwendet: Das Vermögen soll auch den Staatshaushalt stützen, falls Norwegens Wirtschaft schwächelt. Und genau das passiert gerade: Die Regierung entnimmt dem Fonds erstmals mehr Geld, als ihm gleichzeitig aus dem Ölgeschäft zugeführt wird. Angesichts des niedrigen Ölpreises kann der Staat seinen Haushalt nicht mehr anders ausgleichen. Geht es also an die Pensionen? Finanzstaatssekretär Paal Bjørnestad versucht zu beruhigen: „Wir entnehmen weniger Geld, als wir an Rendite einfahren.“
Diese Rendite lag zwischen 1998 und 2015 im Schnitt bei jährlich 5,6 Prozent. Allerdings würde Bjørnestads Partei, die rechtsliberale Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei), bereits jetzt gern größere Summen des Ölfonds ausgeben, statt weiter zu investieren. Mit dieser Einstellung hätte Norwegen jedoch womöglich nie ein nennenswertes Auslandsvermögen angespart. Hinzu kommt: Die Öl- und Gasquellen sprudeln spärlicher. Die Vorräte gehen zur Neige. Für den nötigen Umbau von Norwegens Volkswirtschaft wird künftig mehr Geld benötigt.

Das Vertrauen in den Staat leidet

Kommt es hart auf hart, greifen Regierungen gern in volle Fondstöpfe, wie das Beispiel Irland zeigt: Bis 2007 hat die Regierung in Dublin mustergültig einen Pensionsfonds mit jährlich Milliarden von Euro gefüttert – um Reserven für die klassische Rente aufzubauen. Dann kam die Finanzkrise und Irlands Banken mussten gerettet werden. Dafür zapfte die Regierung den Fonds an: 20,7 Milliarden Euro wanderten ins Finanzsystem.
Auch Spanien agierte ähnlich. Die Regierung, seit Jahren in der Wirtschaftskrise gefangen, plündert seit 2012 den staatlichen Rentenfonds. Von den eingezahlten 53,8 Milliarden Euro wurden seither knapp 34 Milliarden Euro entnommen.

Und die Pensionäre? Schauen im Zweifel in die Röhre.

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