Nur einige Mausklicks, dann wissen Norweger, wie viel Geld sie im Ruhestand bekommen. Wenn sie sich bei norskpensjon.no einloggen, sehen sie, plong, ihre Ansprüche. Zusammengerechnet sind die häufig so hoch, dass Rentner in anderen Ländern neidisch werden dürften.
Norwegens Rentner stehen gut da: Konsequent wird auf die obligatorische betriebliche Altersvorsorge gesetzt, und langfristig hilft, dass der Staat für seine Rentenzahlungen auf den weltgrößten staatlichen Pensionsfonds zurückgreifen kann. Sein Vermögen: rund 700 Milliarden Euro.
Norwegen hat sich zudem, ähnlich wie Schweden, verabschiedet von der Idee, alle Menschen im selben Alter in die Rente zu schicken. Wer will, darf sich mit 62 Jahren in den Ruhestand zurückziehen – muss aber mit Rentenabschlägen rechnen. Wer bis zum 75. Geburtstag durcharbeiten will, dem steht das ebenfalls frei. Die Rente bemisst sich nicht nur an gezahlten Beiträgen, sondern wird gekoppelt an die durchschnittliche Lebenserwartung. Steigt diese, muss länger gearbeitet werden, um ein bestimmtes Rentenniveau zu erreichen. „Das ist die wichtigste Änderung seit dem Jahr 2000“, sagt Erik Orskaug, Chefvolkswirt der Gewerkschaft Unio. „Die Jungen, die länger leben werden, müssen auch länger arbeiten, um – auf den Monat bezogen – eine ebenso gute Pension zu bekommen.“
Selbst wer nie gearbeitet hat, ist weitgehend gefeit vor Altersarmut, dank Garantiepension: Wer 40 Jahre als Erwachsener im Lande war, erhält jährlich rund 180.000 Kronen, umgerechnet 20.000 Euro. Auch wenn diese Summe versteuert werden muss, ist sie zumindest eine Grundabsicherung.

Norwegen feiert. Mit gutem Grund: In internationalen Rankings wird die Rentenvorsorge als vorbildlich gelobt.

Wer hingegen gearbeitet hat, erhält eine ans Gehalt gekoppelte staatliche Rente, die an die Beitragszeiten gebunden ist. Die Rente daraus wird auf die Garantiepension angerechnet – aber nur teilweise, sodass bei jeder zusätzlichen Krone Rentenanspruch nur 80 Prozent der Garantiepension gegengerechnet werden. „Wer einen Vollzeitjob mit Durchschnittsgehalt hat“, sagt Volkswirt Orskaug, „kann aus diesen beiden Säulen eine Pension mitnehmen, die rund 55 Prozent seines früheren Einkommens entspricht.“

8,3 Prozent Rendite

Das ist okay, aber auch nicht üppig. Zum Aufstocken gibt es die Betriebsrente in zwei Varianten. Als Auslaufmodell gelten tariflich festgelegte, sogenannte AFP-Zahlungen, die an einzelne Arbeitsplätze gebunden sind. „Wer seinen Job verliert oder wechselt, riskiert letztlich, doch keinerlei AFP-Pension zu bekommen“, sagt Rentenexpertin Tove Midtsundstad vom Forschungsinstitut Fafo. Besser sei deshalb die neuere obligatorische Betriebsrente: Arbeitgeber müssen mindestens zwei Prozent des Lohns ihrer Angestellten entweder in eine Rentenversicherung oder in einen Kapitalfonds einzahlen. Bei der Fonds-Variante wird das Geld in Aktien und Festverzinslichem angelegt – über den Mix entscheidet jeder Arbeitnehmer nach persönlichem Risikoprofil.
Die Geldanlage übernehmen die Banken, und das offenbar erfolgreich. Das aktuell beste Pensionsprodukt ist ein Fonds vom Verwalter Skagen, an- geboten von der Versicherung Gjensidige, der seit 2005 eine jährliche Bruttorendite von im Schnitt 8,3 Prozent erwirtschaftet. Auch viele andere Fonds kommen auf Bruttorenditen von mehr als fünf Prozent. Entsprechend stolz äußert sich Tonje Westby vom Verband der Finanzindustrie: „Norwegen hat ein gutes und robustes Pensionssystem, das für die zunehmende Lebenserwartung gerüstet ist.“
Die kapitalgedeckte Betriebsrente kann vom 62. Lebensjahr an ausgezahlt werden. Ein späterer Start erhöht die Rente, verkürzt aber die Auszahlungszeit. Sie endet stets mit dem 77. Geburtstag. Und dann? „Kommt’s zu einer Versorgungslücke“, gibt Gewerkschafter Orskaug zu. Diese Lücke vermeiden die 175.000 Pensionäre, die sich für eine lebenslang auszahlende Rentenversicherung entschieden haben. Trotzdem ist die zeitlich gedeckelte Betriebsrente beliebter: Laut Forschungsinstitut Fafo haben sich 1,25 Millionen Arbeitnehmer für sie entschieden.
Zwar können die 5,2 Millionen Norweger auch privat vorsorgen, jedoch nehmen sie dieses Angebot selten wahr. „Die Regeln sind so unattraktiv, dass so gut wie kein derartiger Sparplan verkauft wird“, sagt Tonje Westby. Wesentlich attraktiver scheint es, auf die Managementkünste des Staats zu vertrauen. Wer sehen möchte, wie sicher die staatliche Rente ist, schaut deshalb auf www.nbim.no. Dort tickt nicht wie in anderen Ländern die Schuldenuhr, sondern es wird laufend angezeigt, wie hoch das Auslandsvermögen des norwegischen Staates und damit aller Norweger ist.

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