Der Einsatz der Marine hat die Piraten am Horn von Afrika erfolgreich abgeschreckt. Doch die Gefahr besteht weiter.

Null. Nicht einen einzigen Piratenüberfall gab es seit Jahresanfang am Horn von Afrika. Patrouillierende Kriegsschiffe aus Europa und den USA schrecken die Seeräuber ab – und das Wissen, dass die Schiffe schwerer zu kapern sind. Die werden inzwischen „gehärtet“: Stacheldraht, Wasserkanonen und Schaum sollen verhindern, dass Piraten an Bordgelangen. Der Zugang zur Brücke wird extra gesichert. Viele Öltanker und Containerriesen fahren zudem im Konvoi und geben Vollgas – je schneller ein Schiff fährt, desto schwieriger ist es zu entern.

Rund 40 Prozent der Schiffe auf dieser Route haben drei oder vier bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord, schätzt Sebastian Hons von Marine Risk & Quality (MRQ). Wichtigste Aufgabe der „Armed Guards“: die Gefahr früh erkennen, um zu fliehen. Nur wenn die Flucht scheitert, kommt es zum Einsatz. „Ein Schiff mit bewaffneten Sicherheitskräften ist bisher noch nie entführt worden“, sagt Christian Lang, Head of Maritime Operations bei ISN International Security Network, nicht ohne Stolz. Spätestens Warnschüsse ins Wasser hätten den Angriff gestoppt.

Die Kosten für die Sicherheitskräfte variieren je nach Anbieter, genannt werden Summen zwischen 20.000 und 100.000 Dollar für jeden Transit zwischen Sri Lanka und dem Suezkanal. Für die Reeder ist Piraterie auch dann teuer, wenn die Piraten keinen Erfolg haben. Weltweit hätten sich die Pirateriekosten der Reeder 2013 so auf rund zwei Milliarden Dollar summiert, schätzt der Verband Deutscher Reeder (VDR).

Vor den finanziellen Folgen eines Piratenangriffs können sich Reeder durch den Abschluss einer Kriegsdeckung schützen, mit der die Seekaskoversicherung ergänzt wird. Durchfährt das Schiff eine gefährliche Region, kann diese Passage gesondert versichert werden. Die Kriegsdeckung wird meist auf dem englischen Markt genommen, doch auch deutsche Versicherer ermöglichen sie, etwa in Form des German War Cover. Hinter dieser von Lampe & Schwartze angebotenen Lösung steht ein Konsortium aus sechs deutschen Versicherern und Rückversicherern.

Gegen die klassische Seeräuberei, bei der Piraten nicht Lösegeld für Schiffe und Besatzung erpressen, sondern die Ladung stehlen, schützt die normale Transport-Warenversicherung. Diese Seeräuber sind vor allem in asiatischen Gewässern ein Problem. Die Gefahr, dabei verletzt oder gar getötet zu werden, ist für die Crew oft sogar größer, erklärt Christof Schwaner vom Reederverband VDR: „Wer Lösegeld kassieren will, braucht eine lebendige Geisel. Wer es hingegen auf die Ladung abgesehen hat, ist am Wohlergehen der Crew deutlich weniger interessiert.“