20.000 Verkehrstote? Pro Jahr? Was heute unvorstellbar ist, war in den 1970er-Jahren üblicher Horror auf bundesdeutschen Straßen. Zwar hatte der schwedische Volvo-Ingenieur Nils Ivar Bohlin bereits 1959 den modernen Sicherheitsgurt erfunden, doch viele Autofahrer wollten sich nicht „anketten“ – dabei betonten seit 1960er-Jahren wissenschaftliche Studien und viele Verkehrsexperten, dass der Gurt, konsequent eingeführt, die Unfalltotenzahlen um bis zu 70 Prozent reduzieren könnte. „Gurt oder Tod!“ lautete der Titel eines Buches, das der Allianz-Autosicherheitsforscher Maximilian Danner 1983 veröffentlichte. Der Versicherungsmann, selbst Ingenieur, hatte über Jahrzehnte Crashtests ausgewertet – und lieferte ein Konvolut an Argumenten für die Anschnallpflicht. Die kam endgültig 1984: Ab dann musste jeder 40 Mark zahlen, der ohne Gurt erwischt wurde. 2017 starben noch 3177 Menschen auf deutschen Straßen. Rund 200 von ihnen könnten noch leben, wären auch sie vorschriftsmäßig angeschnallt gewesen.