Die Verträge laufen natürlich weiter, sollte sich ein Versicherer aus einem Geschäftsfeld zurückziehen. Zuletzt war ein solcher Abschied vor allem bei Lebensversicherungen zu beobachten. Gleich mehrere Anbieter stellten das Neugeschäft ein, einige sortierten auch die bestehenden Policen aus: Skandia Deutschland verkaufte vergangenes Jahr 400.000 Verträge an die Heidelberger Leben. Danach trennte sich die niederländische Delta Lloyd von ihrem kompletten Deutschlandgeschäft; die 350.000 Kunden werden heute vom US-Rentenversicherungskonsolidierer Athene betreut. Und die Basler Leben verkaufte jüngst mehr als 100.000 Lebensversicherungsverträge an den neuen Anbieter Frankfurter Leben.

Solche Käufer sind spezialisiert auf die Übernahme von Altverträgen und führen die Verträge für Kunden ohne Änderungen weiter. Dafür sorgt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sie verpflichtet die Käufer, Versprechen gegenüber den Kunden so einzuhalten, wie sie im Vertrag stehen. Kunden von Lebensversicherungen zahlen also weiter ihre Prämien, bekommen weiter Zinsen gutgeschrieben und weiterhin später eine garantierte Auszahlungssumme plus Überschussbeteiligung.

Garantien auf eine erfolgreiche Kapitalanlagestrategie mit möglichst hohen Überschüssen für Versicherte bieten diese Spezialisten nicht. Dafür eine billigere Verwaltung: Vertriebsprovisionen fallen weg, häufig arbeitet die IT – da simpler – auch effizienter.

Ob sich der Kauf alter Lebensversicherungen lohnt, wird sich erst in Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Erfahrungen aus anderen Ländern helfen nur bedingt, da Garantiepolicen eine deutsche Besonderheit sind. Mit fondsgebundenen Policen bei Schaden- und Unfallversicherungen jedenfalls gab es bisher keine substanziellen Probleme.

Für die BaFin sind diese Art Verkäufe noch Neuland, nicht alles im Aufsichtsrecht ist zweifelsfrei geklärt. Kay-Uwe Schaumlöffel, Leiter der Grundsatzabteilung für die Versicherungsaufsicht, stellt aber einen Punkt klar: Wenn sich ein Versicherer aus einem Geschäftsfeld zurückziehe, sei das keinesfalls ein „Versagen“. Vielmehr gehe es meist um bewusste strategische Unternehmensentscheidungen.