Reden Makler und Versicherer aneinander vorbei – oder warum muss die Kommunikation zwischen ihnen standardisiert werden?Ja, zum Teil herrschen babylonische Verhältnisse. Beide Seiten arbeiten unterschiedlich. Wenn ein Makler etwa mit 100 Versicherern zusammenarbeitet, wird er sich auf fast genauso viele Makler-Extranets einlassen müssen. Dazu kommen Medienbrüche: Was der eine digital benötigt, hat der andere nur in Papierform vorliegen – und umgekehrt. Das sorgt für Doppelarbeit, Zeitverlust, Frust und hohe Kosten nicht nur beim Makler, auch bei den Versicherern.

Warum hat es dann so lange gedauert, bis das gemeinsame Pilotprojekt gestartet werden konnte, bei dem Sie mitmachen?Ob Makler, GDV, Versicherer oder Hersteller von Maklerverwaltungsprogrammen – jeder hat nach dem Trial-&-Error-System versucht, selbst die Basis für eine neue, gemeinsame und moderne Plattform zu legen. Der Durchbruch waren erst die Normen des Brancheninstituts für Prozessoptimierung, kurz BiPro. Da fanden sich alle Marktteilnehmer wieder. Das war der große Hebel.

Wie stark ist die Hebelwirkung jetzt?Sehr stark. Das hat zum einen mit dem Megatrend „Digitalisierung“ zu tun, zum anderen damit, dass alle miteinander kommunizieren und kooperieren. Bis Frühjahr 2016 läuft das dazu gestartete Pilotprojekt zur Maklerkommunikation. Nach Auswertung dieser Pilotphase sollen erste Normen „startklar“ sein.

„Startklar“ heißt „fertig“?Es wird bestimmt noch mehrere Jahre dauern, bis alles rundläuft. „Fertig“ wird ein so großes Projekt nie sein, da sich die Versicherungswelt weiterentwickelt – und damit die Plattform, die Technik, die Prozesse – und die Kundenanforderungen. Für alle Teilnehmer ist es im Moment vor allem wichtig zu zeigen, wie sehr diese Plattform die Arbeit von Maklern und von Versicherern erleichtert.

Der Wechsel zur gemeinsamen Plattform kostet Geld. Lohnt er sich?Ja. Das Einsparpotenzial durch Vermeidung von Doppelarbeiten ist für alle Beteiligten interessant. Jetzt herrscht so etwas wie Investitionssicherheit mit Sogwirkung.

Liegt das daran, dass alle – also Versicherer, Makler und GDV – beim Erarbeiten der Standards beteiligt waren?Offene Kommunikation ist für den Erfolg immer wichtig – insofern: ja.

Was gibt es noch zu tun?Es gibt noch einige „Eisblöcke“, die wir aus dem Weg räumen müssen. Wir müssen verbindliche, eindeutige Normen vereinbaren, die nicht von den Nutzern abgeändert oder interpretiert werden können. Mitbestimmung ist ein weiteres Thema: Wer die Plattform nutzt, soll auch mitentscheiden dürfen also auch wir Makler. Dritter Punkt: Wir brauchen verbindliche Spielregeln.

Was heißt „verbindliche Spielregeln“?Spielregeln für die neue, digitale Versicherungswelt. Um ein Beispiel zu geben: Ab wann gilt ein Dokument oder eine Kündigung als zugegangen? Wenn es im elektronischen Briefkasten des Adressaten eingeht oder erst, wenn der Briefkasten von diesem geöffnet und der Inhalt angesehen wird? Wenn es um die Deckung eines Industrieunternehmens geht, kann es dabei schon mal um zwei- oder dreistellige Millionensummen gehen.