Herr Meier, hätten Sie früher gedacht, Sie werden noch mal Gründer und damit Unternehmer?Richard Meier: Nein, ich wollte mit 55 Jahren in Pension gehen und nur noch reisen. Aber erst kam die Professur dazwischen und dann Neptutherm. Deshalb verstehe ich Leute nicht, die sagen, im Alter kann man nix mehr lernen. Ich kann im Alter am allerbesten lernen.

Wann sind Sie über diese Seegraskugeln gestolpert und auf die Idee gekommen, einen Dämmstoff daraus zu machen?RM: Das muss vor etwa 40 Jahren beim Windsurfen gewesen sein. 2006 dann beim Kitesurfen saßen wir in Spanien und warteten auf Wind. Da kam der berühmte Spruch von meiner Frau: „He, Professor, könnte man da nicht einen wunderbaren Dämmstoff draus machen?“

Mit Wehmut sehe ich, dass im Internet mit den jungen Gründern eine ganz andere Dynamik steckt.

Richard Meier, 68

Ein Dämmstoff, der es inzwischen selbst bis ins Kinderfernsehen der „Sendung mit der Maus“ geschafft hat.RM: Darauf bin ich besonders stolz.

Bastian Karweg: Bei Ihnen ist es ein bisschen wie bei Bionade: Sie haben eine Story. Sie entdecken etwas Neues, was die anderen nicht gesehen oder erkannt haben. Und man versteht das Produkt sofort, einfach das Feuerzeug dranhalten: „Aha, ein Dämmstoff aus der Natur, der nicht brennt.“ Neptutherm könnte die Bionade unter den Baustoffen werden.

Hätten Sie so was auch gern im Angebot, Herr Karweg, simple Produkte mit guter Story?BK: Das wäre schön, doch Echobot ist nicht so einfach zu erklären. Wir sammeln Informationen im Netz, die unseren Kunden nützlich sind, und verknüpfen sie dann zum Beispiel mit Informationen über Kunden oder Lieferanten. Mit Informationsanalyse kommen Sie nicht unbedingt in die „Sendung mit der Maus“.

Richard Meier, 68, hat als Architekt in der Karlsruher Baubehörde gearbeitet, bevor er als Baustoffexperte an der SRH Hochschule Heidelberg lehrte. 2011 gründete er sein eigenes Unternehmen Neptutherm.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie sich als Unternehmer und nicht als Angestellter auf die unendlichen Möglichkeiten im Internet einlassen wollen?BK: Schon als Schüler und Student habe ich lieber gearbeitet, als zu lernen. Das Web hat mich immer fasziniert. Ich war zwar auch mal angestellt, hatte aber auch dort ungewöhnlich viele Freiheiten, sonst hätte ich das nicht gemacht.

RM: In Ihrem Alter hätte ich noch gar keine Idee gehabt, mit welcher Idee ich gründen könnte.

BK: Die besten Ideen entstehen aus dem eigenen Bedarf. Als leidenschaftlicher Zocker habe ich mir zu Schulzeiten überlegt, wie kommst du eigentlich möglichst günstig an Computer- und Videospiele? Deshalb habe ich dann eine Webseite für Computerspiel-Rezensionen gestartet. Mit dem Erfolg kamen die Spiele, die ich testen sollte, bald kistenweise. Also habe ich meine Kumpels eingespannt, und schwupps habe ich 20 Leute gemanagt. Dieses Geschäft lief während Schule und Studium, bis ich die Firma verkauft habe.

RM: Ich bin eher ein Spätberufener, habe meinen FH-Abschluss als Architekt mit 29 Jahren gemacht. Im Berufsleben in der Karlsruher Baubehörde hab ich dann gemerkt, was einem ohne Uni-Abschluss fehlt. Ich bin dann 1989 wieder Student geworden und hab mit 45 mein Architektendiplom gemacht. Erst als ich eigentlich schon fast in Rente war, kam das Seegras.

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