Günther Anton Krabbenhöft fällt auf. Er trägt Weste, Hut und Fliege zu Lederstiefeln und steckt seine langen Beine in hochgekrempelte Jeans. Aus seinem Hut lugt vorwitzig eine blaue Feder. Das ist eben sein Look. Die Medien nennen ihn den „Hipster-Opa von Berlin“, weil Krabbenhöft bereits 70 Jahre alt ist (und tatsächlich zweifacher Großvater). Zum Interview im Kreuzberger Café „Kaffeebar“ erscheint er gemeinsam mit Jannik Sührig. Den 29-Jährigen hat er im Techno-Club „Berghain“ kennengelernt, beim Raven.

Herr Krabbenhöft, wenn Ihnen jemand früher erzählt hätte, mit 70 Jahren sind Sie eine Stil-Ikone und werden nächtelang durchtanzen …Günther Anton Krabbenhöft: .. dann hätte ich kein Wort geglaubt. Solch eine Zukunft lag für mich komplett außerhalb des Vorstellbaren.

Wie haben Sie sich als junger Mann die Zukunft vorgestellt, mit fliegenden Autos und Städten auf dem Mond?GAK: Ich wollte der großen Liebe begegnen, wollte Frau und Kinder. Ansonsten hatte ich wenig konkrete Vorstellungen, die über „Ich möchte später mal ein Auto haben“ oder „Ich möchte irgendwie gut leben“ hinausgingen. Ich bin ja gelernter Koch und habe recht jung geheiratet, schon mit 24 Jahren, und dann gab es schnell Nachwuchs. Also stand für die nächsten Jahre die Familie im Mittelpunkt. Bis dann irgendwann der Gedanke kam: War’s das jetzt oder geht’s weiter?

Mir sind immer wieder Menschen begegnet, die mir gezeigt haben, wofür sie brennen. Das hat mein eigenes Feuer wieder entfacht.

Günther Anton Krabbenhöft, 70, gelertner Koch, heute
Stil-Ikone und Raver

Fühlten Sie sich damals festgefahren?GAK: Zum Glück selten. Das Schicksal hat immer so kleine Dinge bereitgehalten, die mich daran erinnert haben, dass mein Leben toll ist. Oft sind mir Menschen begegnet, die mir gezeigt haben, wofür sie brennen. Das hat auch mein Feuer wieder entfacht – und mich gelehrt, offen und neugierig zu bleiben.

Neugierig auf Mode waren Sie offenbar früh …GAK: Falsch. Ich bin nicht an Mode, sondern an Kleidung interessiert. Sie war schon immer meine Möglichkeit, mich nach außen abzugrenzen. Ich habe Secondhandläden durchstöbert und irgendwie mein eigenes Ding gemacht. Etwa eine alte Skihose aus den 20er-Jahren ausgegraben, dazu Wanderstiefel angezogen und oben – was weiß ich. Ich hatte immer so eine Vorstellung. Das ist viel belächelt worden, und es gab jede Menge ablehnende Kommentare. Sicherlich habe ich manchmal danebengelegen, aber das gehört ja dazu, wenn man experimentiert und versucht, sich zu finden. Damit habe ich irgendwie gelebt und weiß eigentlich erst heute, wie viel Stärke damals dazugehörte.

Günther Anton Krabbenhöft, 70, gelertner Koch, heute Stil-Ikone und Raver

Ernten Sie heute als gut angezogener 70-Jähriger andere Reaktionen als früher?GAK: Dazu muss ich sagen: Ich kleide mich heute anders als früher. Wenn man älter wird, kann man nur auf die klassische Herrenmode zurückgreifen, ohne albern zu wirken. Niemand wird Teil der Jugend, wenn er sich jugendlich anzieht – das kann nur lächerlich wirken. Was ich merke: Die Reaktionen auf mich ändern sich. Es ist mir früher nie passiert, dass mir so viele freundliche Blicke zugeworfen werden, dass Frauen und Männer den Daumen hochheben, dass ich angesprochen werde oder Komplimente kriege. Und dann sehe ich die ganzen jungen Menschen, die danach streben, bloß nicht aufzufallen …

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