Herr Kahrmann, wie fühlt sich das an, wenn Sie hier morgens die Tür aufschließen: wie ein wahr gewordener Traum oder nur wie ein ganz normaler Arbeitsplatz? Hälfte, Hälfte, würde ich sagen. Wir hatten eine fulminante Eröffnung mit Hunderten Gästen. Aber als die Party vorbei war, habe ich gemerkt: Oh, morgen musst du ja ganz normal zur Arbeit gehen. Und Gastronomie ist ein hartes Geschäft, dafür braucht man starke Nerven. Man wird mit einem so kleinen Laden nicht reich. Aber ich habe mir einen Traum erfüllt. Gut, wenn nebenher noch was abspringt.

Verdienen Sie mehr als Schauspieler oder als Barista? Das Gros macht schon noch die Schauspielerei aus, das Café ist nur ein Zubrot. Aber was nicht ist, kann ja hoffentlich noch werden. Schließlich ist das Café auch als Teil meiner Altersvorsorge gedacht. Ich kann zwar als Mann leichter mit Schauspielerei älter werden als meine Kolleginnen, die ungerechterweise ab einem bestimmten Alter nur noch schwer Rollen kriegen. Und aus den Gagen zahle ich auch in die Rentenkasse ein. Aber das allein wird wohl nicht reichen. Ich kann mir also auch prima vorstellen, noch mit deutlich über 60 hier im Café zu stehen und einen guten Espresso zu machen.

Das hört sich aber nicht danach an, als würden Ihnen permanent lukrative Rollen in Haus flattern. Können Sie auf Ihren Traumjob bauen? Dauerhaft? Die Schauspielerei ist immer noch meine absolute Leidenschaft. Aber es ist sehr viel schwerer geworden in der Branche. Und ich hatte seit Jahren die Idee für ein Café im Kopf. Irgendwann gab es dann den Punkt, wo es mich total genervt hat, den Rollen hinterzujagen – dieses Hoffen und Warten auf den nächsten Dreh. Ich habe ein tiefes Verlangen danach gespürt, etwas umzusetzen, bei dem ich von niemand anderem abhängig bin. Zudem haben sich die Arbeitsbedingungen als Schauspieler in den vergangenen Jahren stark verschlechtert. Die Quoten sinken, auch wegen des Internets, die Sender investieren nur noch wenig – und dementsprechend schrumpfen die Gagen. Wir bekommen teilweise nur noch halb so viel wie früher.

Sie standen mit acht Jahren zum ersten Mal vor der Kamera. Ihre Kinder sind jetzt vier und sieben. Dürfen die Schauspieler werden, wenn es nach Papa geht? Ich würde es ihnen nicht verbieten. Aber ich würde ihnen klarmachen, dass sie unbedingt noch eine andere Tätigkeit brauchen, auf die sie zurückfallen können. Ich sage immer: „Schauspielerei ist der schönste Job der Welt – den ich niemandem weiterempfehlen kann.“