Herr Behre, gutes Training heute?Ja, sehr gut sogar. Das eben war gerade Bestzeit. Aber bitte: David!

Nicht zu heiß heute für dich?Wir Sprinter lieben heißes Wetter. Da sind die Muskeln schön warm.

Deine Spezialität ist die 400-Meter-Strecke, worauf kommt es da an?Vor allem auf Strategie. Nach gut 300 Meter Sprint ist jeder Akku leer. Also musst du deinen Körper kennen und dir das Rennen richtig einteilen. Dein Körper ist dein Kapital.

Kannst du von der Leichtathletik leben?Dank meiner Sponsoren kann ich den Sport praktisch hauptberuflich betreiben.
Ginge anders auch kaum: Ich trainiere rund 30 Stunden pro Woche.

Du bist 2007 in deiner Heimatstadt Moers schwer verunglückt. An was erinnerst du dich?
Ich radle an einem Wintermorgen früh nach Hause von einem Freund. Am Bahnübergang ist die Schranke offen. Also fahre ich rüber. Dann höre ich nur noch einen dumpfen Schlag und danach meine eigenen Schreie. 150 Meter wurdest du vom Zug mitgeschleift, der Lokführer hatte den Unfall gar nicht bemerkt.

Was passierte dann?Gut drei Stunden muss ich bewusstlos im Gebüsch neben den Gleisen gelegen haben. Als ich zu mir kam, war es hell. Meine Füße waren weg, alles war voller Blut. Ich habe um Hilfe geschrien und bin mit letzter Kraft den Bahndamm hochgekrochen. Da hat mich eine Nachbarin gefunden.

Du hattest Glück …Ja, weil es so kalt war, habe ich sehr wenig Blut verloren. Die Ärzte meinten aber, ich wäre wohl erfroren, wenn ich eine halbe Stunde länger gelegen hätte.

Wie denkst du heute über den Unfall?Ich liebe mein Leben und bin heute erfolgreicher, als ich es vorher je hätte sein können. Insofern ist der Unfall das Beste, was mir je passiert ist. Das klingt verrückt, ich weiß. Aber so sehe ich das heute. Auch wenn der Weg lang war.

Was hat dir dabei geholfen?Das Netz um mich herum: die Ärzte, die Physiotherapeuten, meine Familie, meine Freunde. Ich habe meinen 21. Geburtstag noch im Krankenhaus gefeiert – mit über 80 Leuten in der Kantine. Ein wichtiger Faktor war auch meine Unfallversicherung.

Das musst du jetzt sagen! Dein Versicherer von damals ist heute dein Sponsor…(lacht) Im Ernst: Bei all der Ungewissheit, wie es weitergeht, wenigstens finanziell abgesichert zu sein, das war schon wichtig.

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