Nur 33 Mitarbeiter hat der Hersteller von Modelleisenbahnen, muss aber Renten an 370 Pensionäre zahlen. Das war nicht mehr zu stemmen.

Im August war es für den Modelleisenbahnhersteller Fleischmann soweit: Die Geschäftsführung beantragte Insolvenz in Eigenregie. Vor allem hohe Pensionslasten für Ex-Mitarbeiter sowie ein starker Umsatzrückgang – die anvisierten drei Millionen Euro Jahresumsatz waren unerreichbar – hatten Fleischmann in die Überschuldung getrieben.

Der Fall zeigt, wie wichtig der Pensionssicherungsverein (PSV) als Auffanginstitution ist, selbst in wirtschaftlich guten Zeiten. Und zugleich, wie gefährlich in Niedrigzinsphasen Betriebsrenten für Unternehmen werden können, die ins Straucheln geraten – dabei aber Pensionsansprüche zuvor nicht an externe Institutionen wie Versicherungen ausgelagert haben.

So ist das einst stolze Unternehmen aus dem fränkischen Ansbach auf nur 33 Beschäftigte geschrumpft, hatte aber eine halbe Million Euro jährlich an 370 Rentenbezieher zu zahlen. Für zusätzlich 500 Anwärter mussten weitere Rückstellungen in Millionenhöhe gebildet werden. „Bis zum Zeitpunkt des Umsatzrückgangs waren die Pensionszahlungen ein Dauerproblem, aber kein Drama“, so der Münchner Rechtsanwalt Maximilian Breitling, der als Sanierungsgeschäftsführer fungiert.

Die Zinsen, auf deren Basis Pensionsrückstellungen kalkuliert werden, sinken. Um zugesagte Betriebsrenten abzusichern, müssen deshalb höhere Finanzreserven gebildet werden – ein Problem, dem sich viele deutsche Unternehmen derzeit stellen müssen.

„Bei gleichbleibenden Zinsen und Aufträgen wären die Pensionslasten zu stemmen gewesen“, erklärt Breitling. In Abstimmung mit dem vorläufigen Gläubigerausschuss, in dem Vertreter etwa des PSV, der Hausbank und der gerichtlich bestellte, vorläufige Sachwalter sitzen, soll Breitling Fleischmann wieder auf die Spur setzen.

Läuft alles nach Plan, werden die Pensionsansprüche auf den PSV übergehen. Zuvor waren außergerichtliche Verhandlungen zur Reduzierung der Pensionslast erfolglos. „Wir sind nicht die Wettbewerbsverzerrer der deutschen Wirtschaft“, sagt PSV-Vorstand Hans H. Melchiors. „Wenn eine Insolvenz stattfindet, müssen alle gerade stehen. Der PSV hat dann die gleichen Ansprüche wie andere Gläubiger.“ Immerhin sind so die Pensionen der Fleischmann-Rentner sicher.