Wenn London aufgrund des Brexits schwächelt, eröffnen sich neue Chancen. Während Frankfurt vor allem um Fintechs buhlt, werben Köln und München um Insurtechs.
Am Rhein starten Gothaer, R+V, Axa, Debeka, LVM Versicherung, Provinzial Rheinland sowie General Re das „Insurlab Germany“, das Start-ups über Kooperationen den Zugang zu den eigenen Kunden ermöglicht. Mit den Insurtechs sollen Angebote in Sachen Künstliche Intelligenz, E-Health und Virtual Reality entwickelt werden. „Gemeinsam haben wir das Potenzial, Köln zum nationalen und internationalen Insurtech-Standort auszubauen“, frohlockt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.
Dieses Potenzial sieht auch München, wo sich Bayerns Wirtschaftsministerium, Allianz, Nürnberger Versicherungsgruppe, Versicherungskammer Bayern, Munich Re und die ARAG aus Düsseldorf etwa in einem „Werk1“ genannten Inkubator für Insurtechs zusammengeschlossen haben. Mit einem Förderprogramm will Werk1 Start-ups an die Branchenriesen binden.
In Frankfurt wiederum trommelt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir immer wieder für den Finanzstandort am Main. Im Pollux-Tower wurde kürzlich ein Start-up-Zentrum eröffnet, hinter dem unter anderem das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, die KfW und die Frankfurter Goethe- Universität stecken. Kurz zuvor hatte die Deutsche Börse schon Ähnliches getan, im In-Viertel Bornheim.
Und Berlin? Buhlt und wirbt nicht, weil die Szene die Hauptstadt längst entdeckt hat. Ihr komme zugute, keine Bankenstadt zu sein, sagt Malte Klussmann, Mitgründer des digitalen Zahlungsdienstleisters Cringle. „Innovation ist nichts, wo einfach ein Hebel umgelegt werden kann. Innovation ist ein Mindset, eine Unternehmenskultur.“ Und die gebe es vor allem in Berlin. Tamaz Georgadze, Gründer des Berliner Fest- und Tagesgeld-Portals Weltsparen, liefert Zahlen dazu: Im September 2016, rechnet Georgadze vor, habe man 179 Fintech-Unternehmen in Berlin gezählt, München kam hingegen nur auf 62 und Frankfurt auf 58 Unternehmen.