Die Ampel zeigt Grün für den Radfahrer wie für den Lkw. Also fahren beide los. Der Velo-Fahrer kommt unter die Räder, weil der Lkw-Fahrer rechts abbiegt und den geradeaus fahrenden Radfahrer übersieht. 3226 Kollisionen von Lkw und Radlern gab es vergangenes Jahr, 72 Velofahrer starben dabei und 665 zogen sich schwere Verletzungen zu. Elektronische Hilfen im Lastwagen-Führerhaus könnte diese Zahl reduzieren.
Ein Drittel dieser tödlichen Radler-Unfälle, schätzt die Unfallforschung der Versicherer (UDV), passiert beim Abbiegen. Die Schuld tragen selten die Zweiradfahrer, besagt ihre Auswertung. Die meisten Unfälle passieren an Ampelkreuzungen – während die Radfahrer Grün haben. Damit sieht UDV-Leiter Siegfried Brockmann die Annahme widerlegt, vor allem besonders schnelle oder rüpelhafte Radfahrer würden in solche Unfälle verwickelt.
Es sind die Lkw-Fahrer, die besser aufpassen müssen. „Sie haben es sicherlich nicht leicht. Der durch die vorgeschriebenen Spiegel ohnehin klein gewordene tote Winkel kann aber nicht Entschuldigung für alles sein“, sagt Brockmann. Zumal oft Stofftiere, Namensschilder oder Vorhänge das Sichtfeld einschränkten – „eine gefährliche und überdies verbotene Unsitte“.
Die UDV fordert, menschlichen Fehlern vorzubeugen – durch eine Verpflichtung, Abbiegeassistenten in schwere Lkw einzubauen, die Radfahrer zuverlässig erkennen und vor ihnen warnen. Dadurch könnten rund 60 Prozent aller schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle vermieden werden.