Es war im wahrsten Wortsinn Dynamit für die Bilanzen ausländischer Konzerne, die in Thailand investiert hatten: Die Unternehmen suchten dort nach Erz – wofür man üblicherweise mit Sprengmitteln hantiert. Vor etwa einem Jahr aber verbot die Regierung des politisch alles andere als stabilen Landes den Import von Dynamit: Es könnte ja in die Hände von Aufrührern gelangen. „Die Konzerne standen urplötzlich vor einem Scherbenhaufen“, sagt Silja-Leena Stawikowski, Leiterin des Bereichs Political and Special Risks bei Aon.

Die Expertin des Beraters für Risikomanagement und Rückversicherungsmakler konstatiert, dass Unternehmen sich in den letzten Jahren zunehmend mit geopolitischen Problemen wie Aufständen oder Terrorakten konfrontiert sähen. Solche Bedrohungen würden diffuser, die Risiken unkonventioneller. Bestes Beispiel sei der Sprengstoff-Engpass in Thailand, der schnell auch zu Verzögerungen oder Ausfällen im Bergbau und bei den dazugehörigen Investitionen führen kann. Ganz zu schweigen von den politischen Risiken im Irak, Syrien oder der Ukraine.

Aktuell scheint es an allen Ecken und Enden der Erde zu brennen: Wie schnell es brenzlig werden kann, musste auch Edwin Meyer, Risiko- und Versicherungsexperte bei ArcelorMittal, erfahren. Der Stahlkonzern wurde von der grassierenden Ebola-Epidemie in Liberia in Mitleidenschaft gezogen: ArcelorMittal stoppte den Ausbau einer Eisenmine, der Konzern evakuierte – wie auch Auftragnehmer vor Ort – ausländische Techniker und Experten. Auch die Vorgänge in der Ukraine beurteilt der Risikomanager von ArcelorMittal mit Skepsis. Dort sei es nicht sicher, ob die Versicherungsverträge greifen, betont Meyer. „Handelt es sich um Krieg? Um innere Unruhen? Oder gar um Terrorismus? Das ist nicht klar“, moniert Meyer.

Die Zahl der gefährlichen oder besonders gefährlichen Länder, die wir auf unserer jährlichen Risiko-Landkarte ausweisen, hat nicht signifikant zugenommen.
Michael Müller, Control Risks

Wer sich bei der Absicherung hierbei mit den bislang marktgängigen Deckungen für politische Risiken und politische Gewalt begnügt, deckt die Vielzahl an Gefahren, die in einem Krisenherd wie der Ukraine schwelen, nur unzureichend ab. Wenn dort etwa die Nachfrage nach Autos einbricht, weil die politische Krise die Kaufkraft der Menschen schwächt, bleibt das für Händler oder Zulieferer nicht ohne Folgen. „Eine solche Insolvenz oder ein Zahlungsausfall von Kunden des Versicherten, resultierend aus Unruhen, ist nicht von einer üblichen Versicherung gegen politische Risiken gedeckt. Sie muss durch eine Zusatzversicherung abgesichert werden“, sagt Risikoexpertin Stawikowski.

Hermesdeckungen können helfen

Entsprechende Insolvenz- oder Ausfallversicherungen können diese Deckung wirtschaftlicher Risiken leisten. Aber auch der Staat steht mit seinen Hermesdeckungen parat. Diese Exportversicherungen schützen deutsche Unternehmen vor Verlusten durch ausbleibende Zahlungen ihrer ausländischen Geschäftspartner, insbesondere bei der Lieferung in Entwicklungs- und Schwellenländer. Das heißt, zahlt der ausländische Abnehmer aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen nicht, springt der deutsche Staat ein. Die Bundesregierung will damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen schützen und fördern.

Nicht nur Großkonzerne, auch Mittelständler erschließen sich zusehends neue Märkte in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Die Welt sei in den vergangenen Jahren allerdings nicht wirklich unsicherer geworden, meint der Manager des auf Risikoanalyse spezialisierten Unternehmensberaters Control Risks, Michael Müller. „Die Zahl der gefährlichen oder besonders gefährlichen Länder, die wir auf unserer jährlichen Risiko-Landkarte ausweisen, hat nicht signifikant zugenommen. Es ist eher so, dass sich die politisch instabilen Regionen in den Interessenbereich auch deutscher Unternehmen verschoben haben.“

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