Ein eisiger Januarmorgen im Jahr 2011. Das dumpfe Grollen am Drachenfels im Siebengebirge südöstlich von Bonn verheißt nichts Gutes. Große Felsstücke lösen sich und stürzen ins Tal. Dort, wo sich die Rebstöcke der Weingüter Pieper und Broel befinden, donnern sie in die Parzellen und bleiben liegen.

Der Steinschlag erregt großes Aufsehen, das auch die Bezirksregierung Köln auf den Plan ruft. Sie erlässt ein „vorläufiges Beschäftigungsverbot“ am Weinberg. Für die beiden betroffenen Winzerfamilien bedeutet das: Sie dürfen ihre Mitarbeiter nicht mehr in die Weinberge schicken. Pflanzenschutzmaßnahmen oder Pflegearbeiten sind damit unmöglich. Die Existenz der Siebengebirgswinzer ist bedroht, weil niemand die Lese einbringen kann – ein Millionenschaden droht.

Was folgt, ist ein langwieriges, nervenaufreibendes Hin und Her zwischen Bürokraten, Gutachtern und hilfsbereiten Nachbarn. Weil die Winzer ihre eigenen Weinberge nicht betreten dürfen, übernehmen „Weinzelmännchen“ die Lese der kostbaren Trauben: gute Geister aus der Gegend, die nicht vom Verbot gegen die Winzerfamilien und deren Mitarbeiter betroffen sind. So kann allem Ungemach zum Trotz fast die komplette Ernte in den Jahren bis 2013 eingefahren werden. Erst dann wird nach langem Hin und Her die Errichtung eines Schutzzauns beschlossen, der die Steinschlag-Gefahr für Menschen in den Parzellen auf lange Sicht bannen soll. Seit Ende vergangenen Jahres steht er nun.

Alpenmassive verlieren ihren Kitt

Bröckelnde Berge werden immer mehr zu einer Gefahr – vor allem auch in der europäischen Hochalpenregion. Dort fordert die Klimaerwärmung ihren Tribut: Durch die steigenden Temperaturen tauen die Permafrostgebiete nach und nach auf – und damit verschwindet das Eis, das als Kitt erheblich zur Stabilisierung von Bergflanken beiträgt. Die Felsen werden instabil, brüchig und Steinschläge lösen sich. Einer, der sich seit Jahrzehnten mit diesen Phänomenen beschäftigt, ist Johannes Feuerbach, Geologe und Geschäftsführer von Geo International Mainz. Er erforscht die Ursachen von Fels- und Erdrutschen und entwickelt Konzepte, die die Menschen schützen sollen.

Die Gefahr von Erdrutschen und Felsstürzen wird in Zukunft noch wachsen.
Johannes Feuerbach, Geo International Mainz

„Neben Erdbeben und Vulkanausbrüchen zählen sie mittlerweile zu den häufigsten klimatologisch bedingten Elementargefahren – und sie werden sich in Zukunft noch verstärken“, sagt Feuerbach. Denn Klimaforscher vermelden weltweit zunehmende Niederschläge. Wenn dann noch Wälder – also natürliche Barrieren – abgeholzt werden, steigt mit jedem Regenguss die Rutschgefahr, besonders im Gebirge oder an Hängen. „Wo genau sich die Erde oder Gestein löst, ist kaum exakt vorherzusagen“, sagt Feuerbach.

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