Deutsche Versicherer investieren Milliardenbeträge in erneuerbare Energien. Das verspricht stabile Renditen, nützt ihren Kunden und unterstützt zugleich die Energiewende.

In der früheren Papiermühle werden Suchanfragen bearbeitet und Daten in der Cloud gesichert: Im finnischen Hamina betreibt Google eines seiner dreizehn großen Rechenzentren. Der Strombedarf der Server ist enorm, doch der Internetriese möchte winzige ökologische Fußabdrücke hinterlassen. Weltweit bezieht Google ein Drittel der benötigten Elektrizität aus grünen Quellen, der Windstrom für Hamina wird aus Schweden importiert. Bemerkenswert an dem schwedischen Windpark ist nicht nur die zweckgebundene Verwendung des Stroms, sondern auch der Besitzer. Hinter dem Projekt steht ein Versicherer, die Allianz. Eine Win-win-Situation: Das Geld der Versicherungskunden wirft eine ordentliche Rendite ab und unterstützt gleichzeitig die europäische Energiewende.

In 54 Wind- und sieben Solarparks hat die Allianz in den vergangenen zehn Jahren investiert und damit weltweit 2,5 Milliarden Euro angelegt. Bei einer Gesamtanlagesumme von rund 650 Milliarden Euro ist das zwar nur ein kleiner Anteil, doch mit den grünen Kraftwerken könnte rechnerisch eine Stadt in der Größe Barcelonas mit Strom versorgt werden – oder demnächst Berlin: Mittelfristig, so David Jones, Leiter des Bereichs Erneuerbare Energien bei Allianz Capital Partners, soll das Anlagevolumen verdoppelt werden.

Geldgeber der Energiewende

Auch andere Versicherer sind ins Geschäft eingestiegen, zum Beispiel die Meag, Kapitalanlagegesellschaft der Münchener Rück und der Ergo Versicherungsgruppe. 700 Millionen Euro hat sie in erneuerbare Energien investiert. Tim Ockenga, Leiter Kapitalanlagen beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), beobachtet ein „deutlich gestiegenes und inzwischen großes Interesse“. Jeder vierte institutionelle Investor hat erneuerbare Energien oder Stromnetz in den Anlagekorb aufgenommen, ermittelte das Marktforschungsinstitut Trend Research bereits vor zwei Jahren. 13 Prozent der deutschen Grünstrom-Kraftwerke sind laut der Untersuchung aus dieser Quelle finanziert worden.

Ökostromprojekte werfen 20 Jahre ziemlich verlässlich Geld ab.
Heinrich Degenhart, Finanzwirtschaftsprofessor an der Universität Lüneburg

Heinrich Degenhart, Finanzwirtschaftsprofessor an der Universität Lüneburg, konstatiert einen regelrechten „Run“ auf erneuerbare Energien. „Hochwertige Projekte, die die branchenüblichen Vorgaben erfüllen, sind äußerst nachgefragt. Die Versicherer kaufen, was sie bekommen können.“ Degenhart sieht neben den höheren Zinsen einen weiteren Vorteil: „Die Laufzeiten sind sehr lang, oft wirft ein Ökostromprojekt 20 Jahre ziemlich verlässlich Geld ab. Das passt zu den langfristigen Zahlungsverpflichtungen, zum Beispiel von Lebensversicherungen.“

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