Wenn Flüsse über die Ufer treten, ist der Schaden schnell groß. Die Elbe-Flut riss 2003 auch das Set des deutschen Erfolgsfilms „Die Wilden Kerle“ mit sich. Ausgerechnet das Hauptmotiv, den Fußballplatz, setzte sie unter Wasser, die Dreharbeiten mussten verschoben werden – doch dass für diesen Schaden die Versicherung aufkommen würde, war gleich klar.

Vor solchen Verzögerungen fürchten sich Produzenten am meisten: „Ein Drehtag kann bei größeren Produktionen schon mal bis zu 80.000 Euro kosten“, sagt Christoph Hoyer, Underwriter bei Catlin. Und so sind die größte finanzielle Bedrohung für Film- und Fernsehdrehs in aller Regel Schäden, die die Produktion unterbrechen, bestätigt Hendrik Bockelmann, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Filmversicherungsgemeinschaft (DFG), die, unter anderem, mit Vollmachten der Allianz Global Corporation & Specialty AG, der ERGO Versicherung AG und der AXA Versicherung AG ausgestattet ist. Die DFG hatte die „Wilden Kerle“ versichert und kam schnell und unkompliziert für die Flutfolgen auf.

Kaum ein Film ohne Schaden

Film-, TV-Produktionen und Werbedrehs sind ein riskantes Geschäft. Schließlich drohen nicht nur seltene Wetterphänomene wie die Oder-Elbe-Flut, auch erkrankte Schauspieler oder ganz banale Schäden an Geräten und Requisiten können teuer werden, besonders dann, wenn sie die komplette Drehplanung über den Haufen werfen. Aber auch ein Rechtsstreit kann ins Geld gehen (siehe Kasten). „Im Grunde geht bei jeder Produktion zumindest eine Kleinigkeit schief“, sagt Bockelmann. „Die Schadensfrequenz ist bei uns deutlich höher als in anderen Versicherungssparten“. Auf circa 20 Millionen Euro jährlich belaufen sich in etwa die Schadenssummen. Das Policen-Volumen liegt bei circa 30 Millionen Euro, doch die Zahlen schwanken stark.

Paul Walker und sein Unfall

Der siebte Teil der Action-Reihe „Fast & Furious“ ist beinahe abgedreht, als Hauptdarsteller Paul Walker (links) bei einem Autounfall ums Leben kommt (rechts). Presseberichten zufolge verlangt das Filmstudio wegen des Todefalls jetzt 50 Millionen Dollar von seiner Versicherung. Das wäre eine der höchsten bislang bekannt gewordenen Summen in der Filmgeschichte.

Besonders gefürchtet sind Ausfälle der Stars, ob sie nun vor oder hinter der Kamera stehen. Im digitalen Zeitalter hat diese Gefahr die zerstörte Filmrolle als größtes Risiko abgelöst. Informationen darüber werden allerdings selten öffentlich und mit äußerster Diskretion behandelt, da zum Beispiel der Gesundheitszustand der Schauspieler einem strengen Datenschutz unterliegt. Ausnahmen sind einzelne, besonders dramatische Fälle, wie jüngst beim tragischen Unfalltod des US-Stars Paul Walker, der die Fortsetzung der Blockbuster-Reihe „Fast & Furious“ gefährdete.

Manchmal fallen den Produzenten dann sehr kreative Lösungen ein, wie zum Beispiel bei Terry Gilliams Fantasyfilm „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ aus dem Jahr 2009. Mitten im Dreh starb Kinolegende Heath Ledger, die Produktion wurde abgebrochen. Den Film rettete schließlich die – auch künstlerisch wertvolle – Idee, Ledgers Figur Tony in den verschiedenen Fantasywelten von anderen Stars – Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell – spielen zu lassen.

Not schweißt zusammen

An solchen Entscheidungen sind immer auch die Filmversicherer beteiligt“, sagt Christina Mertens, verantwortlich für die Sparte Filmversicherung der HDI-Gerling Industrie Versicherung. „Die Zusammenarbeit ist sehr partnerschaftlich und lösungsorientiert.“ Wenn größere Verzögerungen oder gar ein Abbruch der Dreharbeiten droht, stellt die Versicherung daher den Produzenten externe Experten zur Seite, mit dem Ziel, ganz pragmatisch den Schaden so weit wie möglich zu minimieren.

Je internationaler die Produktionen werden, desto internationaler auch die Chancen für die deutschen Versicherer. Allerdings, berichtet Bockelmann von der DFG, unterschieden sich die Mentalitäten der deutschen und der US-Produzenten doch sehr. Während die Deutschen sich lieber auch gegen kleinere Schäden absicherten und dafür höhere Prämien in Kauf nähmen, setzten die Amerikaner auf höhere Selbstbehalte. Insofern ist es ein umso größerer Erfolg, dass es Anfang des Jahres einem Konsortium deutscher Versicherer erstmalig gelang, im Alleingang einen Film in dieser Größenordnung und mit einem echten Hollywood-Star zu versichern: Die von Tom Tykwer inszenierte und von X Filme produzierte Romanverfilmung „Ein Hologramm für den König“ mit Tom Hanks könnte den ersten Schritt in einen neuen, deutlich größeren Markt bedeuten.