Wie sehr man danebenhauen kann, wenn man sich die Welt in 30 Jahren vorstellt, wissen wir spätestens seit dem 21. Oktober 2015, dem „Zurück in die Zukunft“-Tag. Benannt wurde er nach der Filmtrilogie mit Michael J. Fox als zeitreisendem Teenager, den es aus seinem kuscheligen 1985 drei Jahrzehnte in die Zukunft verschlägt – an eben diesen 21. Oktober 2015. Der Alltag in dieser Zukunft: Autos Siegen, Skateboards auch – und überall stehen Faxgeräte. Ein kleines Detail – und der größte Fehlgriff: Eine Welt, die per Fax kommuniziert statt über das Internet?
In den 1980er-Jahren verwandelte sich das Internet gerade von einem Forschungsnetzwerk in ein öffentliches Medium. Was beispielhaft belegt, wie die kleinsten Dinge am Rand unserer Aufmerksamkeit zu den gewaltigsten Umbrüchen führen können. Das Internet wird uns in den nächsten 30 Jahren sicher erhalten bleiben – wiedererkennen werden wir es wohl kaum. Weil es längst in alle Poren unseres Daseins vorgedrungen sein wird.

AUTO-MOBIL: Das Auto fährt selbst, ist einfach sicherer. Das schenkt Zeit – um sich auf die Heimkehr vorzubereiten oder sich unterhalten zu lassen.

Was uns in einer Wohnung des Jahres 2046 auffallen würde: Man sieht keine Computer. Vielleicht fummelt sogar niemand mehr mit seinem Smartphone herum (wie auch immer das dann aussehen wird: Armband, Datenbrille, Knopf im Ohr oder alles zugleich). Der Raum wird der Computer sein, glaubt der visionäre Designer Mark Rolston, der in seinem Labor all das kombiniert, womit wir uns heute schon umgeben: 3-D-Kameras aus Spielkonsolen, Sprachsteuerung aus Smartphones, kompakte Videobeamer, ferngesteuerte Lampen und Hausgeräte. Das Ergebnis ist ein Raum, der mich erkennt, den ich mit Sprache und Gesten steuere anstatt über Apps, und der mir Informationen dahin projiziert, wo ich sie brauche: das Rezept auf den Küchentisch, den Wetterbericht an den Kleiderschrank, die Nachrichten neben den Badezimmerspiegel.
Die Wohnung wird lernen, wie ihre Bewohner leben. Sie wird Live-Daten erfassen, Vorhersagen treffen und weitergeben: an Stromversorger, die in Echtzeit ihre Netze steuern, oder an den Pflegedienste, wenn der Senior verdächtig ruhig ist und auch die Kaffeemaschine gar nicht mehr anschaltet. Wobei der wahrscheinlich schon längst alarmiert sein wird aufgrund der schlechten Vitaldaten, übertragen von den immer am Körper getragenen Sensoren.

Live-Daten sind das neue Öl

Diese Zukunft hat bereits begonnen: In den USA ist Amazons Bluetooth-Box „Echo“ ein Topseller. Das Gerät hat eine Spracherkennung, mit der man beim Kochen plaudernd einkaufen, sich Nachrichten vorlesen und Musik abspielen lassen kann. Sprache wird zum wichtigsten Interface. Nehmen wir dazu die ersten Gehversuche in Richtung Smart Home: mit dem Handy ein paar Lampen steuern und die Wetterstation im Ferienhaus checken. Spielkram. Noch.

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