Wenn alle das Gleiche denken, entsteht wenig Neues. Dafür werden bunt gemischte Teams und Offenheit für unvertraute Ideen gebraucht. Der Schlüssel dafür: Diversity Management.

Die Versicherungsbranche steckt im Umbruch. Sie hinterfragt ihre Geschäfts- und Erlösmodelle, ihre Strukturen und ihre Aufgaben. Weitermachen wie bisher ist keine Option, aber woher sollen die innovativen Ideen kommen? Eine Antwort: von neuen Mitarbeitern, denn Innovation braucht neue Perspektiven. Darum werden Menschen mit – für Versicherer – ungewöhnlichen Lebensläufen und Erfahrungen interessant. „Wer genauso kreativ und flexibel sein will wie die neue Konkurrenz aus dem Internet, kommt nicht um ein gutes Diversity Management herum,“ sagt Moritz von Campenhausen, Personalberater bei Egon Zehnder (zum Interview).

Diversity – das meint eine nach Geschlecht, Alter, Kultur, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion und Weltanschauung bunt gemischte Belegschaft – und zwar quer durch alle Hierarchieebenen. Diversity Management soll dafür sorgen, dass diese Vielfalt ins Unternehmen kommt und gelebt werden kann. Dabei geht es nicht nur um Innovation, sondern darum, dass jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich entfalten kann. Und es geht darum, die Fachkräfte von Morgen zu gewinnen. Dafür müssen Unternehmen sich öffnen. Für Frauen. Für Schwule. Für Eltern und ältere Menschen. Für Menschen mit dunklerem Teint oder solche, die im Rollstuhl sitzen. Für Menschen mit Kopftuch, Kippa oder Turban. Kurz: Die Vielfalt der Gesellschaft muss sich im Unternehmen widerspiegeln. Wer das ignoriert, „verpasst wahrscheinlich zwei Drittel des demografischen Nachwuchspotenzials“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung Page Group Deutschland.

Aber warum sollte eine lesbische Juristin oder ein kurdischstämmiger Soziologe bei einem Versicherer anheuern? Ganz einfach: Weil dieser gute Karrierechancen bietet und die eigene Persönlichkeit respektiert. Die Arag preist die Vielfalt der Belegschaft, Talanx wirbt mit „Gemeinsam anders“ um Talente, auch die Allianz sieht sich bereits auf dem besten Weg zu einem gelungenen Diversity Management. Dabei hilft auch, dass die Branche ein spannender Arbeitgeber ist. Versicherer hinterfragen ihre Geschäfts- und Erlösmodelle, ihre Strukturen und Aufgaben. Wer hier anfängt, kann etwas bewegen. Das ist attraktiv und spannend, das lockt Talente an. Diese Trumpfkarte können die Versicherer ausspielen. Sie sind bereits dabei.

Vielfalt sorgt für Innovationen

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln belegt, dass Unternehmen, die auf Vielfalt in ihrer Belegschaft setzen, mit 69 Prozent deutlich häufiger innovative Produkte einführen als Wettbewerber, bei denen das Thema kaum eine Rolle spielt (48 Prozent). Woran das liegt, erklärt Anne Spitzley: „Innovative Ideen sind oft ganz einfach“, sagt die Innovationsforscherin vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. In „bunten“ Unternehmen würden sie einfach öfter entdeckt. „Je unterschiedlicher die Mitarbeiter in der Entwicklung und im Vertrieb sind, desto vielfältiger sind die Perspektiven und Ideen. “Homogene Teams würden schneller Ergebnisse produzieren, weil es weniger Diskussionen gebe, aber die Ergebnisse gingen häufig am Bedarf vieler Kunden vorbei. Oft würden bestehende Probleme oder Bedürfnisse gar nicht erst gesehen.

1 2 3>