Herr Graulich, Sie waren Manager im Axa-Konzern. Was hat Sie veranlasst, zu einem Start-up zu wechseln?Es ging mir jeden­ falls nicht um Geld und Karriere, sondern um Inhalte: Bei Element befasse ich mich haufenweise mit Themen zum ersten Mal. Das macht den Reiz aus.

Element hat im November 2016 bei der BaFin eine Sachversicherungslizenz beantragt. Wann wird die endlich erteilt?Wir denken, noch im Sommer.

Zehn Monate Bearbeitungszeit. Klingt nach aufwendigem Verfahren.Ja, in der Tat. Aber ich bin positiv überrascht: Die BaFin hat mit uns stets im Dialog alle Fragen gelöst.

Element will für Kooperationspartner Versicherungslösungen entwickeln und das gesamte Handling von Abschluss bis zur Abwicklung von Schäden digitalisiert anbieten. Grollt die etablierte Konkurrenz schon?Wir lösen Probleme für unsere Auftraggeber. Der Endkunde ist immer der Kunde unserer Partner. Das erkennen auch zunehmend Versicherer, die ihre Scheu verlieren, mit uns zusammenzuarbeiten.

Warum sollten die aufgeschlossen sein?Weil wir teils überraschende digitale Lösungen für Versicherungsangebote entwickeln. Schließlich schleppen wir keinen Ballast mit uns herum. Wir starten neu, müssen uns nicht um gewachsene Vertriebe oder uralte IT­-Systeme kümmern. Das wird durchaus von etablierten Anbietern erkannt.

Das Start-up Ottonova hat sich die Debeka in den Eigentümerkreis geholt, an Element-Mutter Finleap halten Hannover Rück und Signal Iduna Anteile. Wie wird Ihr etablierter Partner heißen?Unsere Strategie beruht darauf, unabhängig Versicherungsangebote zu entwickeln. Wir dürfen unseren Partnern nicht als verlängerter Vertriebsarm eines einzigen Wettbewerbers erscheinen: Wir wollen viele Partner mit Versicherungslösungen beliefern.

Gilt das auch schon für den Marktstart?Wir starten mit einem Partner aus der Versicherungsbranche und einem breiten Angebot. Damit haben wir Spielraum, um später Produkt­ oder Kurzzeitpolicen anbieten zu können.

Wird Element auf Berater aus Fleisch und Blut verzichten können?Wir werden uns anfangs auf Angebote konzentrieren, die eine geringe Komplexität aufweisen. Aber auch wir werden Großschäden und Regressfälle haben, für die Anwälte Briefe hin­ und herschicken. Die Kunst ist es, nicht dogmatisch zu sagen, es muss entweder alles von Hand oder automatisch ablaufen. Es geht vielmehr darum, die Arbeitsprozesse so einfach wie möglich zu gestalten.

Kann ein InsurTech jemals so marktbeherrschend werden wie Amazon im Handel?Nein. Zum einen sind Versicherungen keine Konsumgüter, die als besonders sexy gelten und ständig nachgefragt werden. Zum anderen wollen viele Deutsche noch immer gerne persönlich von Maklern oder Vertretern betreut werden. Der Prozentsatz der Bürger, die Policen online abschließen, ist hierzulande noch sehr gering.

Bei Banken werden die meisten Konten hingegen schon online geführt. Wo liegt der Unterschied?Banken betreiben Transaktionsgeschäft, Versicherungen Schubladengeschäft – wer einmal eine hat, kümmert sich lange Zeit nicht darum.

Dann müssen InsurTechs also noch viel Überzeugungsarbeit leisten …Klar. Es geht darum, digitale Angebote so bequem, verfügbar und individuell zu gestalten wie möglich. Irgendwann werden dann auch die Kunden Online­-Angebote und innovative Produkte schätzen lernen.