Hanjin galt als siebtgrößte Reederei der Welt. Das war am 30. August. Einen Tag später hat sie Insolvenz angemeldet. 97 beladene Containerschiffe des südkoreanischen Konzerns waren zu diesem Zeitpunkt auf den Meeren unterwegs oder lagen in Häfen fest, Waren im Wert von umgerechnet mehr als 12 Milliarden Euro an Bord. Ausgeliefert werden durfte der Inhalt der rund 530.000 Container nicht: Hanjin konnte die Gebühren nicht bezahlen. Weltweit fürchteten Händler, in der Weihnachtszeit ohne Handys und Tablets aus Korea dazustehen. Und Versicherer und Rückversicherer sorgten sich, für auflaufenden Schäden bis zu 2 Milliarden Euro auszahlen zu müssen.
Auch wenn die meisten Containerschiffe mittlerweile entladen sind: Die Forderungen wegen Geschäftsausfällen „könnten enorm sein“, sagen Analysten von Credit Suisse, und auch die Versicherungsbranche erschüttern. Gemeint sind etwa Unternehmen, die mit Versicherungsverbriefungen (ILS) handeln: spezielle verzinsliche Wertpapiere, mit denen Versicherungsrisiken abgesichert werden. Oder auch herkömmliche Kredit- und Transportversicherungen. Wird Fracht nicht pünktlich zum Bestimmungsort gebracht, „können sich Verluste sehr schnell häufen“, so die Credit-Suisse-Analysten.
Hanjin verkauft derzeit Schiffe oder gibt sie, wenn sie gechartet wurden, zurück an den Vermieter. Im Markt für Containerschiffe bestehen allerdings Überkapazitäten, trotzdem steigt der Bestand nach Berechnungen des Kreditversicherers EulerHermes auch in diesem Jahr um 3,9 Prozent. Grund: Vom Bestellen bis zum Ausliefern eines Containerschiffs dauert es rund drei Jahre. Was derzeit ausgeliefert wird, wurde bereits 2013 bestellt.
Die Hanjin-Pleite ist nicht die erste, jedoch bisher größte. Branchenkenner sehen das Aus von Hanjin als Warnsignal an Reedereien. Erstmals zogen sich die bisher treu unterstützenden Banken zurück.