Als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Som­mer der „Passauer Neuen Presse“ ein Interview gab, konnte er sich sicher sein, dass seine Aussagen schnell die Runde machen würden. Dobrindt ließ wissen, dass er überlege, „sogenannte Alkolocks einzu­setzen“. Darunter versteht man Zünd­schlosssperren, die sich nur dann lösen, wenn der Fahrer vorher einen Alkohol­test besteht. Wer den Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren habe, so Dobrindt, solle ihn später nur zurückbekommen, wenn er nachweislich mit „null Promille am Steuer“ sitze.

Die Alkolocks stehen in einer langen Reihe technischer Neuerungen, mit denen Hersteller und Gesetzgeber das Autofahren in den vergangenen Jahr­zehnten sicherer gemacht haben. Die Zahl der Verkehrstoten sank seit 1970 bis zum vergangenen Jahr stetig. Star­ben damals noch 21.332 Menschen im Straßenverkehr, fanden 2013 noch 3.339 Menschen auf deutschen Straßen den Tod. Neuerungen wie Knautschzone, Dreipunktgurt oder Airbag hatten an der positiven Langzeitentwicklung einen wichtigen Anteil – auch wenn die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr in diesem Jahr laut amtlichen Zahlen erstmals seit Jahrzehnten wieder deut­lich nach oben ging: um ganze 9,5 Pro­zent. Besonders betroffen: Motorrad-und Radfahrer. Statistiker vermuten daher einen Zusammenhang mit dem schönen März- und Aprilwetter und der früh gestarteten Zweiradsaison.

Bewährte Sicherheitsbringer wie der Gurt werden zu den passiven Sicher­heitsmaßnahmen gezählt – passiv, weil sie keine Unfälle verhindern, sondern ihre Folgen abmildern. „In diesem Bereich haben wir die wichtigsten Schlachten schon geschlagen“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfall­forschung der Versicherer (UDV) beim Gesamtverband der Deutschen Versi­cherungswirtschaft. Die Hersteller rich­ten ihre Anstrengungen deshalb heute vor allem auf die aktive Sicherheit, also auf Innovationen, die Unfälle von vor-neherein verhindern können. Dazu gehört beispielsweise das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das Schleu­derfahrten verhindern soll und ab November bei allen Neuzulassungen verpflichtend eingeführt wird.

Aber auch Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Notbremssystem oder Abstandsregler können Unfälle vereiteln. Gerade Hersteller teu­rer Autos wie Daimler investieren jähr­lich Hunderte Millionen Euro, um sich mit solchen Technologien zu profilieren. „Es ist ein gewisses Muss, dass Herstel­ler solche Systeme ankündigen, sonst ist man nicht auf der Höhe der Zeit“, sagt Hermann Winner, Professor für Fahr­zeugtechnik an der Technischen Univer­sität Darmstadt.

Die ersten Fahrerassistenzsysteme hielten in den 80ern Einzug und wurden seitdem schrittweise erweitert und ver­bessert. Beispiel Parken: Während die frühen Parkhilfen nur bei seitlichen Ein­parkmanövern piepsten, können sie inzwischen auch anspruchsvolle Ein­parksituationen meistern. Beim Park­lenkassistenten muss der Fahrer nur noch Gas geben und stoppen, das Auto aber lenkt sich von allein ohne Eingrei­fen des Fahrers. Und aktuell wird an Systemen zum vollautomatischen Ein­parken per Smartphone gearbeitet. Künftig soll der Fahrer das Auto mit einer App anweisen können, sich einen Stellplatz zu suchen. Moderne Assisten­ten wie Radar, Kamera und Notbremsassistent würden dann die Aufgabe des Einparkens übernehmen – auch ohne Fahrer an Bord.

Sicherheitsrisiko Smartphone

Diese Entwicklung zur Automatisierung des Fahrens sieht UDV-Experte Brock­mann durchaus kritisch. „Ein Mehr an Technik kann auch zu weniger Sicher­heit führen“, sagt er. Das liegt zum einen daran, dass viele Fahrer die elektroni­schen Hilfen falsch einschätzen und nutzen. So hat zum Beispiel ABS die Erwartungen, die Verkehrsexperten in das Antiblockiersystem gesteckt hatten, auch deshalb nicht erfüllt, weil viele Fahrer bis heute nicht wissen, wie sie ihr Fahrzeug im Gefahrenfall richtig steu­ern. Assistenzsysteme können den Fah­rer aber auch dazu verführen, nicht mehr auf die Straße achtzugeben. Und das zu einer Zeit, in der das Smartphone sowieso unsere Gewohnheiten ändert. Laut einer Studie, die das Marktfor­schungsinstitut Ipsos im Februar veröf­fentlichte, schreibt jeder fünfte Deut­sche am Steuer SMS oder E-Mails. In der Altersgruppe unter 35 Jahren ist es sogar jeder Dritte. Ein gefährliches Unterfangen: Wer eine SMS schreibt, hat laut einer amerikanischen Studie ein 23-mal so großes Risiko, einen Crash zu verursachen.

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