Rums, Dong, auweia: Genick gebrochen! Zum Glück ist es nur ein Dummy. Sein Motorroller knallt mit 55 Stundenkilometern auf den Pkw – so wie das eben passiert in Deutschlands Städten, wenn jemand nicht aufpasst. Ein menschlicher Rollerfahrer wäre gestorben, trotz Helm. Das liegt am Tempo: Der Roller ist getunt, genauso wie wahrscheinlich mehr als die Hälfte aller Mofas und Mopeds.
Ein Ergebnis nach dem Geschmack von Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer (UDV), in der vor zehn Jahren mehrere Vorläuferinstitute aufgingen. Brockmann und seine 20 Mitarbeiter warnen vor den Folgen unerlaubten Tunings, fordern Polizeikontrollen und nach Unfällen einen Check auf Tuning. Passiert ist: wenig. „Wenn man in der Öffentlichkeit etwas erreichen will, braucht man Bilder“, sagt Brockmann. Deshalb gibt es den Roller-Crashtest bei Youtube, 60.000-mal aufgerufen. Irgendwann ändert sich dann etwas. In Gesetzen. Bei den Herstellern. Im Fahrverhalten. UDV-Untersuchungen haben einiges bewegt: bessere Autokindersitze etwa oder Differenzialgetriebe, die Quads in Kurven beherrschbarer machen.
Hinter den Bildern der Crashtests steckt viel wissenschaftliche Vorarbeit. 1,3 Millionen Euro kann die UDV jährlich für Studien ausgeben. Und auf einen mächtigen Datenspeicher zur Erklärung von Unfällen zurückgreifen: die Unfalldatenbank der Versicherer.

Der Helm hilft nicht: Prallt der Motorroller mit 55 km/h aufs Auto, ist der Fahrer tot.

In ihr werden schwere Unfälle dokumentiert. Gut 10.000 davon aus den Unfallakten der Versicherer sind elektronisch hinterlegt, mit bis zu 700 Einzelheiten. So lassen sich auf Knopfdruck viele Fragen sofort beantworten. Wer etwa wissen will, wo im Reisebus die gefährlichsten Plätze sind, was es gebracht hat, angeschnallt zu sein, oder wie häufig bei Bussen das Dach eingedrückt wurde, wird hier fündig.
Die UDV habe das Ziel, die Verkehrssicherheit für alle zu erhöhen, sagt Brockmann. Ein Beispiel dafür ist die Fahrradstaffel der Polizei, die in Berlin seit gut einem Jahr für spürbar mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgt – und vom GDV als Modell mitfinanziert und evaluiert wird. Nicht immer aber ist diese Einsicht leicht zu vermitteln. Der Fahrradlobby etwa missfällt, dass die UDV Radspuren an Kreisverkehren gern abgeschafft sähe. „Wenn Radfahrer sich dadurch unsicherer fühlen, führt das am Ende zu mehr Sicherheit“, sagt Brockmann.
Er weiß, dass er damit eine unbequeme Wahrheit ausspricht. Es wird nicht die letzte sein.