Reinhard Scheibe zählte bis vor drei Jahren zu den Container-Inspektoren von Hapag Lloyd, die diese Einschätzung vor Ort treffen. Kostenvoranschläge von Dienstleistern wie CMR zu prüfen und die Reparaturen zu überwachen, gehörten zu seinem Alltag. Inzwischen ist er als Senior Manager Container Engineering für die Wartung und Reparatur der Container in Europa verantwortlich. „Der Container ist ein Industrieprodukt, damit wird nicht zimperlich umgegangen”, sagt er. Zudem würde beim Beladen oftmals unterschätzt, welche Kräfte auf See wirken: „Auf dem Atlantik kommen auch Containerriesen in Schieflagen von 45 Grad.”

Wo rohe Kräfte walten

Da kann es passieren, dass eine schwere Maschine in rollender See nicht nur die Wände des eigenen Transportbehälters sprengt, sondern auch noch durch die benachbarten Container poltert. Rund 40 Boxen waren so auf einem Hapag-Lloyd-Schiff während der Reise aus China beschädigt worden. Anderthalb Wochen dauerte es im Hamburger Hafen, die verkeilten Stahlkisten auseinander zuschneiden.

Für Hapag Lloyd hat die Einsatzfähigkeit der Container und die Sicherheit beim Transport hohe Priorität. Die Hamburger gehören zu den großen Reedereien, die leere Kisten deutlich regelmäßiger prüft und wartet als von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO vorgegeben. Die schreibt fünf Jahre nach dem Neubau und dann alle 30 Monate den Check durch ein qualifiziertes Unternehmen vor.

CMR erfüllt die Bedingungen für die qualifizierte Prüfung und gehört zu den 390 Dienstleistern weltweit, die im Auftrag von Hapag Lloyd Wartung und Reparatur der Container übernehmen. Die Kosten dafür? Scheibe rechnet für dieses Jahr mit einer dreistelligen Millionensumme. Die zahlt Hapag Lloyd, denn versichert ist die Reederei nur gegen Großschäden, wie sie etwa ein Tsunami bei einem Terminal anrichten kann. „Container einzeln zu versichern macht dagegen wenig Sinn”, sagt Scheibe. Der Wert ist eher gering: Derzeit liegt der Neupreis mit etwa 1600 Dollar für den 20-Fuß-Standard-Container auf einem historischen Tief. So übernimmt zunächst Hapag Lloyd die Reparaturkosten und versucht dann – wo möglich –, Ansprüche bei den Verursachern der Schäden durchzusetzen. Mithilfe des auf dem blanken Stahl der Macken ansetzenden Rosts lassen sich der Zeitpunkt des Schadens und damit der Verursacher relativ genau ermitteln. Trotzdem ist es nicht leicht, die Ansprüche durchzusetzen – vor allem, wenn der Verantwortliche zugleich Kunde ist.

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