Brennen nachts in deutschen Städten Autos, scheint klar: politisch motivierter Schwachsinn. Doch auch gewöhnliche Kriminelle könnten Autos abfackeln, um an saubere Autopapiere zu kommen. Gar nicht schwachsinnig, sagt Steffen Krefft, sondern Folge einer Regelungslücke.
Krefft kennt sich aus mit abgefackelten Autos: Als Chef des Amts für regionalisierte Ordnungsaufgaben obliegt es ihm und seinen Mitarbeitern, Schrottautos aus ganz Berlin von den Straßen zu holen. Das waren allein in diesem Jahr bereits mehr als 350. Deshalb kennt Krefft den Ablauf aus dem Effeff: Hat die Polizei die Spuren gesichert, gibt sie das Autowrack frei. Es gilt als gefährlicher Abfall und wird schnellstmöglich entsorgt. Zuvor schickt meist der Kfz-Versicherer einen Gutachter vorbei, um zu prüfen, ob irgendwelche Teile noch weiterverwertet werden können; oft werden die Wracks anschließend vom Versicherer über eine Restwertbörse im Internet angeboten. Wer solch eine verkohlte Ruine kauft, erhält auch die Papiere dazu. „Saubere Papiere!“, betont Krefft.
Autodiebe müssen jetzt nur noch auf Bestellung den gleichen Wagentyp stehlen und dessen Fahrgestellnummer manipulieren. Dass sei faktisch nicht zu erkennen, sagt Krefft. Schon hätten die Autodiebe aus zwei Autos eines gemacht, das sie mit sauberen Papieren, ohne behelligt zu werden, ins Ausland verschieben könnten.
Krefft setzt sich mit ein paar Mitstreitern für eine Gesetzesänderung ein: kein Weiterverkauf bei wirtschaftlichem Totalschaden, stattdessen Verwertungspflicht durch zertifizierte Verwerter. Damit erhielten womöglich die Versicherungen zumindest einen Teil des Schadenssumme zurück. Und die Gemeinschaft der Versicherten profitierte davon, dass sie statt zwei Autos – dem abgebrannten und dem gestohlenen – nur eines ersetzen müsste.